Full text : Die Zeit der preußischen Freihandelspolitik

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Wohlstand  gedeihen  sollen,  zugleich  aber  auch  das  natürlichste,
wirksamste  und  bleibendste  Mittel,  sie  zu  befördern.“
Es  werden  dann  die  Irrtümer,  welche  der  Wirtschaftspolitik ­
  des  Merkantilismus  zu  Grunde  liegen,  aufgedeckt  und
gezeigt,  welche  Vorteile  der  freie  Handel  für  die  Volkswirtschaft
haben  kann.  Um  sich  die  Vorteile  zu  sichern,  sei  es  nicht
notwendig,  den  Handel  zu  begünstigen,  er  dürfe  nur  nicht  erschwert ­
  werden.
Kein  Staat  hatte  so  schwer  unter  dem  Druck  des  Prohibitivsystems ­
  zu  leiden  gehabt  wie  Preußen,  ln  der  Schule  dieser
Leiden  waren  die  damaligen  Staatsmänner  zu  Anhängern  der
Ereihandelspolitik  erzogen  worden,  und  die  trüben  Erfahrungen,
welche  das  Land  seit  Verhängung  der  Kontinentalsperre  machen
mußte,  vollendeten  diese  Erziehung.
Die  Reform  des  Zoll-  und  Steuerwesens  konnte  jedoch  nicht
in  Angriff  genommen  werden,  solange  der  Feind  noch  im  Lande
war,  und  das  Volk  die  furchtbaren  Lasten  des  Krieges  zu  tragen
hatte.  Von  Jahr  zu  Jahr  aber  schien  die  Notwendigkeit  ihrer
Durchführung  der  Regierung  immer  dringender  zu  werden.
Im  Februar  1812  äußerte  der  Staatskanzler  Fürst  Hardenberg
die  Ansicht,  daß  bei  der  geographischen  Gestaltung  Preußens
von  gänzlichen  Verboten  oder  hohen  Zöllen  jetzt  noch  weniger
Heil  als  je  zu  erwarten  sei.  Die  Ware  würde  bei  solchen  Maßregeln ­
  dennoch  eingehen,  der  Fabrikant  nicht  dabei  gewinnen
und  der  Staat  um  die  Einnahme  kommen.  Vermehrte  Aufsicht
würde  die  heimliche  Einfuhr  nicht  hindern  können,  sobald  hohe
Zölle  den  Reiz  dazu  übermächtig  machten.  Der  Schmuggel
aber  verderbe  den  Nationalgeist,  und  anderseits  raube  der  unbedingte ­
  Schutz  dem  Fabrikanten  den  kräftigsten  Sporn  zum
Fleiße,  zur  Genügsamkeit,  zur  eifersüchtigen  Beobachtung  der
im  Ausland  gemachten  Fortschritte  und  zur  Vervollkommnung.
Diese  Ansicht  legt  Zeugnis  dafür  ab,  wie  tief  die  Überzeugung ­
  von  der  Schädlichkeit  der  Handelsverbote  und  hohen
Schutzzölle  im  Geiste  der  leitenden  Staatsmänner  Wurzel  gefaßt ­
  hatte.
Nach  Wiederherstellung  des  Friedens  ging  man  ans  Werk.
Im  Jahre  1816  arbeitete  Karl  Georg  Maaßen  seinen  Reformplan ­
  aus.  Am  14.  Januar  1817  legte  ihn  der  Finanzminister
Graf  Bülow  dem  König  vor.  In  dem  Bericht,  der  den  Entwurf
            
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