Full text : Die Lokal- und Mittelbanken der Schweiz

94

In  Frankreich  schlossen  sich  1899  eine  Anzahl  von  Provinzbanken
als  Syndieat  des  Banques  de  Province  zusammen.  Zweck  des  Syndikates
sollte  sein  die  Erteilung  finanzieller  Auskünfte  an  die  Mitglieder,  Prüfung
von  Finanz-,  Handels-  und  industriellen  Angelegenheiten,  Erleichterungen
bei  Beteiligung  von  Mitgliedern  an  der  Gründung  von  Gesellschaften  und
der  Übernahme  von  Wertpapieren,  Erlangung  der  bestmöglichen  Bedingungen ­
  für  die  Beteiligung  von  Mitgliedern  bei  Effektenemissionen.
1904  wurde  an  Stelle  des  bisherigen  Vereins  als  ausführendes  Organ  eine
Aktiengesellschaft,  die  Societe  Centrale  du  Syndieat  des  Banques  de
Province,  gesetzt,  deren  Mitglieder  nur  Angehörige  des  Syndikates  durch
Übernahme  einer  Aktie  werden  konnten.  Schon  1908  partizipierte  die
Societe  Centrale  mit  einem  Siebentel  beim  „Grossen  Konsortium.“  Ein
Finanzbureau  studiert  die  der  Gesellschaft  von  aussen  oder  von  Mitgliedern
angetragenen  Geschäfte,  und  ein  reichhaltiges  Archiv  steht  den  Mitgliedern ­
  zur  Verfügung.  Die  rasch  wachsende  Bedeutung  rief  einer  breitem
Basis,  und  so  wurde  1911  die  Gesellschaft  erweitert  zur  „Societe  Centrale
des  Banques  de  Province“  mit  einem  Aktienkapital  von  50  Millionen  Franken,
das  schon  1912  auf  100  Millionen  Franken  erhöht  wurde.  Einbezahlt  ist  ein
Viertel.  Obschon  bei  diesen  Erhöhungen  eine  öffentliche  Subskription  stattfand, ­
  haben  sich  doch  die  Mitglieder  des  Syndikates  das  Übergewicht
dadurch  gesichert,  dass  sie  für  den  ihnen  reservierten  fünften  Teil  der  Aktien
ein  privilegiertes  Stimmrecht  besitzen.  Kaufmann  urteilt,  dass  es  keinem
Zweifel  unterliege,  dass  die  durch  die  Bankkonzentration  ausgelöste  Syndizierung ­
  von  grossem  Vorteil  für  die  Banken  der  Provinz  gewesen  sei,
wenigstens  für  die  kapitalkräftigeren,  während  den  kleinen  und  kleinsten
Lokalfirmen  durch  die  Syndizierung  schwerlich  viel  geholfen  werde.  Hier
in  diesem  Kreise  schreite  die  Konzentration  weiter  zur  Bildung  grosser
Regionalbanken.  Dieser  letzte  Punkt  wird  auch  bei  Beurteilung  unserer
Schweizerverhältnisse  zu  berücksichtigen  sein.
Am  13.  November  1911  trat  in  Zürich  eine  Konferenz  der  Vertreter ­
  schweizerischer  Klein-  und  Mittelbanken  zusammen,
um  über  die  zu  ergreifenden  Schritte  zum  Schutze  der  kleinen  und  mittleren
Institute  einen  vorläufigen  Ratschlag  zu  pflegen.  Nach  dem  gedruckt
vorliegenden  Protokoll  meldeten  sich  zur  Sitzung  über  60  Banken  an,
welche  an  Aktienkapital,  Reserven,  Obligationen  und  Spareinlagen  die
Gesamtsumme  von  über  350  Millionen  Franken  repräsentierten.  Vertreten
waren  dann  in  Wirklichkeit  etwas  weniger  Institute  (47).
In  einer  allgemeinen  Aussprache  wurde  konstatiert,  dass  die  Kleinund
  Mittelbanken  nicht  tatenlos  der  fortschreitenden  Entwicklung  auf  dem
Gebiet  des  Bankwesens  und  der  sich  hier  vollziehenden  Konzentration
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.