Full text : Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft im Kriege

Erwin  Respondek,

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auf  den  Zufluß  effektiver  Kapitalien  an  und  nicht  auf  eine  großzügige,
vereinfachte  und  letzten  Endes  vielleicht  doch  nicht  verbilligte  Staatsschuldenverwaltung. ­

Die  Zeichnungen  wurden  am  25.  November  1915  eröffnet  und
sollten  spätestens  am  15.  Dezember  geschlossen  werden.  Tatsächlich
wurden  aber  über  diesen  Endtermin  hinaus  z.  B.  von  der  Notenbank
noch  Zeichnungen  entgegengenommen 1 ).
Die  Begebung  der  Anleihe  erfolgt  durch  öffentliche  Subskription.
Dieser  Weg  mußte  eingeschlagen  werden.  Auch  in  Frankreich  hätte
sich  schwerlich  ein  größeres  Bankenkonsortium  gefunden,  das  die  Garantie ­
  für  die  Unterbringung  einer  Milliardenanleihe  in  dieser  militärischen ­
  und  politischen  Situation  übernehmen  würde  und  auch  könnte.
Wenn  das  Schatzamt  sich  direkt  an  das  Volk  mit  seiner  Anleihe  wendet,
steht  es  also  ohne  jede  Vermittlung  als  Geldsuchender  da,  und  stellt  damit ­
  auch  selbst  unmittelbar  die  Vertrauensfrage  an  die  Nation.  Zudem
boten  Deutschland  und  England  hierfür  gute  Beispiele.  Als  Zeichnungsstellen ­
  gelten  die  Schatzämter,  Einnahmestellen  für  Zölle,  Steuern
und  Abgaben  aller  Art.  Auch  die  Bankwelt  wird  in  den  Dienst  der  Zeichnungsvermittlung ­
  gezogen.  Von  der  Notenbank,  den  Kreditinstituten
bis  zur  kleinsten  Wechselstube  herab,  werden  Zeichnungen  auf  die  erste
nationale  Anleihe  entgegengenommen.  Weiterhin  stellten  sich  die  staatlichen ­
  und  öffentlichen  Sparkassen,  die  Post,  Versicherungsgesellschaften,
die  alle  durch  ihre  Organisation  und  ihre  Fühlung  mit  dem  Publikum
in  der  Lage  sind,  eine  besonders  erfolgreiche  Tätigkeit  für  die  Unterbringung ­
  der  Anleihe  zu  entfalten,  in  den  Dienst.  Handelskammern,
Syndikate,  Berufsvereinigungen,  Aktiengesellschaften,  Vereine,  Verbände
der  verschiedensten  Art,  arbeiten  emsig  mit,  um  als  Zeichnungsstellen  für  die
ihnen  angeschlossenen  Mitglieder  an  der  Anleiheoperation  zu  wirken.  Unmittelbar ­
  nach  der  Veröffentlichung  der  Anleiheform  setzte  denn  auch  in
ganz  Frankreich  eine  lebhafte  Propaganda  ein,  um  die  verfügbaren,  freien-Mittel
  dem  Staate  restlos  zuzuführen.  Unter  der  Leitung  der  Regierung ­
  entfalteten  die  Tages-  und  Fachpressen  einen  staunenswerten
Eifer,  in  dem  Geschicklichkeit,  Übertreibung  der  vielen  Vorteile,  die
die  Anleihe  für  die  Anleihezeichner  bietet,  und  Ermahnungen  an  das
patriotische  Pflichtgefühl  in  regem  Wettstreit  arbeiteten.  Leroy-Beaulieu
  dürfte  das  Ziel  für  jene  vielen  offen  und  heimlich  wirkenden  Kräfte
am  klarsten  mit  den  Worten  gezeichnet  haben:  „Die  neue  Anleihe
muß  zu  einer  entscheidend  gewaltigen  und  eklatanten  Manifestation
werden  von  Frankreichs  Vaterlandsliebe  und  seiner  finanziellen  Kraft“ 1  2 ).
Nicht  allein  hinter  der  Front  wurden  alle  Kräfte  für  den  dringend  notwendigen ­
  hohen  Erfolg  angespannt.  Der  französische  Soldat  sollte
gleichfalls,  im  Antlitz  des  Feindes,  zum  finanziellen  Siege  verhelfen.

1 )  Berliner  Börsen-Courier  schreibt  am  25.  Dezember  1915:  „Die  Bank  von  Frankreich ­
  nimmt  weitere  Anmeldungen  entgegen,  die  bis  zum  22.  Dezember  auf  2950,00  Mill.,
Frcs.  angewachsen  sind.“

2 )  a.  a.  O.  27.  November  igrs,  S.  696.
            
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