Full text : Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft im Kriege

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Erwin  Respondek,

Von  den  National-Verteidigungs-Wechseln  wurden  2228  Mill.  Frcs.
zum  Umtausche  gebracht.  Dies  sind  auf  die  Summe  der  im  Verkehr
befindlichen  Schatzwechsel  berechnet,  die  am  Vorabend  der  Anleihe
gegen  8900  Mill.  Frcs.  war,  25  %.  Im  Vergleich  mit  den  zur  Zeichnung ­
  eingereichten  10  jährigen  Obligationen,  deren  Gesamtabsatz  am
gleichen  Tage  (Vorabend  der  Anleiheemission)  die  Ziffer  von  3824  Mill.
Frcs.  erreichte  und  die  zur  Konversion  in  Höhe  von  3192  Mill.  Frcs.,
gleich  85  %  des  Gesamtabsatzes  begeben  wurden,  kann  der  Schluß
gezogen  werden,  daß  das  Resultat  den  Finanzminister  nicht  erfreuen
dürfte.  Zum  Ziel  gehörte  mit  die  Konsolidierung  der  schwebenden,  kurzfristigen ­
  Schuld.  Daher  wäre  das  umgekehrte  Konvertierungs-Verhältnis
der  beiden  Schatzscheintypen  dem  Finanzminister  sicherlich  angenehmer
gewesen.  Diese  Zahlen  sprechen  die  deutliche  Mahnung,  daß  das  kapitalkräftige ­
  Publikum,  die  Handel-  und  Gewerbetreibenden  keineswegs
ihre  in  kurzfristigen  Schatzanweisungen  angelegten  Gelder  in  einer  ewigen
Rente  festzulegen  geneigt  sind,  da  sie  dadurch  jede  Dispositionsfähigkeit ­
  für  nahe  und  fernere  Zukunft  verlieren  würden.  Hingegen  mußte  das
Umtauschrecht  der  langfristigen  Schatzschein-Obligationen  in  die  neue
Anleihe  hinein  zu  jenem  hohen  Erfolge  führen,  da  diese  Transaktion  große
Zinsvorteile  in  sich  schloß.  Bemerkenswert  ist  schließlich  noch  die  verhältnismäßig ­
  niedrige  Summe  der  zur  Konversion  eingereichten  3  %
Rente.  Schon  aus  der  Zinsdifferenz  —  3  %  Rente  —  5  %  Rente  —
von  2  %  ist  die  offenbare  Vorzugsbehandlung  ersichtlich,  die  den  Staat
bei  einem  Betrag  von  1430  Mill.  Frcs.  einen  Mehraufwand  an  Jahreszinsen ­
  von  28,6  Mill.  Frcs.  kostet.
Für  das  Schatzamt  ergaben  sich  außer  den  erwähnten  Vorteilen
bei  dieser  Anleihe-Konvertierungs-Transaktion  noch  erhebliche  Zinsersparnisse. ­
  Der  Zinsendienst  für  die  5  %  Anleihe  erfordert  nach  R  i  b  0  t
756,5  Mill.  Frcs.  Dafür  werden  im  Jahre  erspart  an  Zinsen  auf:
3  %  Rente  65,00  Mill.  Frcs.  (Zins  -f-  Amortisation)
3Vz%  Rente  2,30  „  „
National-Verteidigungs-Wechsel  113,50  „  „
„  „  Obligationen  ....  166,40  „  „
Insgesamt  347,20  Mill.  Frcs.
Wird  diese  Summe  von  der  Zinsenlast  für  die  5  %  Rente  abgezogen,
so  entfällt  auf  die  Anleihe  ein  Zinsendienst  von  rund  409  Mill.  Frcs.
Die  erste  französische  Kriegsanleihe  hat  nicht  den  Erfolg  errungen,
der  allgemein  erhofft  wurde  und  auch  der  finanziellen  Leistungsfähigkeit
Frankreichs  entsprochen  hätte.  Sie  wurde  wohl  zur  wahren  Volksanleihe,
wenn  man  erwägt,  daß  die  Zahl  der  Zeichner  3  133  489  beträgt 1 ),  ver-9.
  Dezember  1915  626,00  Mill.  Frcs.
13.  Januar  1916  rr38,oo  „  „
d.  h.  eine  Zunahme  von  .  .  .  512,00  Mill.  Frcs.  =  35%
der  Einzahlungen  auf  die  Anleihe  in  Höhe  von  1468,00  Mill.  Frcs.
x )  Hierzu  zum  Vergleich  die  Ziffern  der  Anleihezeichner  bei  den  vier  deutschen
Kriegsanleihen:
            
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