Full text: Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft im Kriege

Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft. 
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dann im Frieden seine Noten auf der Grundlage exotischer Papiere 
zirkulieren. Diese eine Erwägung mag vielleicht die französische Re 
gierung mitbestimmt haben, sich der Übernahme von Effekten und der 
Emission neuer Noten bzw. verstärkter Emission der alten Noten auf 
der Basis von Wertpapieren gegenüber ablehnend zu verhalten. Hier 
schienen ihr also unabsehbare Schwierigkeiten und Verwicklungen ver 
borgen zu sein. 
Ein zweites und nicht minder bedeutsames Moment, das zur Ver 
neinung des Darlehnskassenprinzips führte, dürfte in der ersten erwähnten 
Tatsache liegen, daß der Krieg sich auf französischem Boden abspielt. 
Es ist nur zu natürlich, daß der Staat einzig unter den größten Schwierig 
keiten für die Erhaltung und Fortführung der nationalen Arbeit Sorge 
tragen kann, in einer Zeit, wo der Feind mit gewaltigen Schlägen bis 
in das Innere des Landes vorstößt. Die Bevölkerung wird furchtsam, 
will und kann ihrer gewohnten Beschäftigung nicht mehr nachgehen. 
Innerhalb der Kriegszone führen die Kämpfe zur Stillegung eines 
erheblichen und gerade des wichtigsten Teiles der Produktionsstätten. 
Dies muß früher oder später auf den gesamten Wirtschaftsorganismus 
hemmend und erschütternd zurückwirken. Das Eisenerzlager von Briey- 
Longwy, das zu den ergiebigsten der Welt gehört, wurde von den deutschen 
Truppen bereits im August besetzt. Hierdurch wurde ein Abbau zugunsten 
der französischen Eisenindustrie unmöglich. Reichhaltige Kohlenbecken 
sind fest in den Händen des Feindes. Die Kohlenförderung in den beiden 
noch freien Departements „Nord“ und „Pas de Calais“ ist stark be 
einträchtigt 1 ). 
Lille, das Zentrum der Textilindustrie, Roubaix-Tourcoing, die 
Hauptsitze der Wollfabrikation sowie die ge werbe- und industriereichen 
Städte Troyes, Reims, Sedan, Leboeuf, Amiens, Arras und viele andere 
Stätten mußten ihre Betriebe unter den Einwirkungen des Krieges 
schließen. Von etwa 230 Zuckerfabriken befinden sich gegen 144 in der 
Kriegszone. 
Der Monat August bringt so eine Einstellung der Arbeitstätigkeit 
in rund 50 % sämtlicher Betriebe. Die fortschreitende Mobilisation 
der Reserve-Mannschaften bewirkt weitere Abgänge von Arbeitskräften 
und gefährdet zeitweilig die Durchhaltung der noch tätigen Unter 
nehmungen. 
1 ) Das von deutschen Truppen besetzte Gebiet umfaßt 4% des Gesamtareals und 
nur 8 % der Gesamtbevölkerung. Von der französischen Kohlen- und Eisenindustrie aber 
sind in Händen der Deutschen in Prozenten und nach Dampf- und Pferdekräften laut Be 
richt in der Hauptversammlung des „Vereins deutscher Eisenhiittenleute“ vom 31. Januar 
1915 Düsseldorf: 
Kohlen . . . 
69% 
Röhren 
Koks .... 
78% 
Draht . 
Eisenerz . . . 
90 % 
Stahlguß 
Roheisen . . 
86% 
Bleche 
Träger . . . 
O 
CO 
00 
Schienen 
Stahlblöcke/ 
100 % 
5s°/o 
77 °/o 
63% 
76%
	        
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