Full text: Frankreichs Bank- und Finanzwirtschaft im Kriege

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Erwin Respondek, 
man das „Gold im Auslande“ nicht mehr als ein Aktivum der Bank 
auffaßt, eine Senkung. 
Die hohe Bedeutung einer starken Goldbasis ist im Kriege erwiesen, 
und die von den Zentralnotenbanken überhaupt bisweilen unter Opfern 
betriebene GoldaufSchätzungspolitik hat jetzt durch die Gewalt der Er 
eignisse ihre volle Berechtigung erhalten. Zugleich wurde vor allem die 
Notenbank auf die Vorteile eines großen konzentrierten Goldbestandes 
aufmerksam gemacht und damit auch die Notwendigkeit organisierter, 
von einer Zentralstelle ausgehender Goldexporte zur Stützung der Valuta 
erkannt. Noch bis zum Ausbruch des Krieges vertraten die Theoretiker 
in Frankreich, Deutschland — vor allem in England — die Ansicht, 
daß die Goldwährung weniger auf dem Goldbestände der Notenbank 
als auf der zirkulierenden Goldmenge beruhe. (Siehe den Ausspruch 
des Herausgebers der Zeitschrift „L’Economiste Fran^ais“ auf S. 41.) 
Nunmehr sind in diesen Ländern emsige Bestrebungen zu verzeichnen, 
durch eine gewaltige Goldanhäufung von der Go Idwährung 
zur reinen Goldkernwährung überzugehen. 
Krieg und wirtschaftliche Not führten also zu der Erkenntnis, 
daß nur ein konzentrierter Goldschatz einem Staate von Nutzen sein 
kann. Jene Notenbanktheoretiker, die eine solche Politik schon lange 
Zeit vor Kriegsausbruch vertraten, finden jetzt eine Bestätigung ihrer 
Lehren. Aber unter welchen anderen Verhältnissen und auf Welchen 
ganz anderen Wegen sammeln die Notenbanken in Frankreich, in Deutsch 
land und in anderen Staaten das Gold aus dem Verkehr! Keineswegs 
durch das Mittel der „kleinen Note“ oder ähnlichem. Der Zufluß von 
Gold zur Notenbank ist nicht die Folge einer verstärkten Emission 
kleiner Notenabschnitte. Sonst hätte die Bank von Frankreich bereits 
vor Monaten ihren Goldschatz beängstigend anwachsen sehen müssen! 
Der Staat mag durch die Notenbank noch so viel kleine Noten in den 
Verkehr pressen, er wird hiermit nicht ein einziges Goldstück zu ver 
drängen vermögen. Die Theorie, daß ein Goldzufluß allein durch die 
Ausgabe kleiner Abschnitte zu erzielen sei, wird durch den Krieg abei 
nicht bestätigt 1 ). Vielmehr dürfte die primäre Ursache für diese auf 
fällige Erscheinung in dem wachgerufenen und geförderten patriotischen 
Gemeinsinn der Bevölkerung zu suchen sein. 
In Frankreich war der gleiche Vorgang zu beobachten, wie ihn 
Deutschland ununterbrochen seit Kriegsbeginn sieht und den die „Deut- 
!) P 1 e n g e a. a. O. S. 134—150. In Deutschland vertrat Plenge diese Theorie. 
Seine eingehenden, mit überzeugender Kraft durchgeführten Untersuchungen über die 
verschiedenen Möglichkeiten, den Goldbestand der Notenbank zu stärken, zeitigen als 
einzig gangbaren Weg die Ausgabe von kleinen Noten. Plenge unterschätzte die Schwierig 
keiten nicht, glaubt aber, daß diese Methode bei einer lebhaften und energischen Propa 
ganda im Volke gute Erfolge zeitigen würde. Der Krieg hat hier die beste Propaganda 
ermöglicht und die vorausgesehenen guten Erfolge gezeitigt. Der glückliche Ruf von 
Plenge: Konzentration des Goldes! wurde von dem Leiter der Deutschen Reichs 
bank mit voller Kraft und dankenswerter Schnelligkeit realisiert. Deutschland wird jetzt 
von der Goldwährung zur Gold kern Währung unter verständnisvoller Mitarbeit des 
Volkes geführt!
	        
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