340_ Regierungsrat Dr. Werner Teubert:
Mittelland-Kanals, von dem zunächst die Strecke von Hannover nach
Hildesheim und Peine fertiggestellt werden soll, wird zugleich an dem
Ausbau der märkischen Wasserstraßen gearbeitet, die ebenfalls den
1000-t-Schiffen Zugang geben sollen. Dazu sind ferner von großen
Wasserstraßenbauten die süddeutschen Kanalpläne in Angriff genommen
worden, und zwar werden bei der Neckarwasserstraße von
Mannheim bis Plochingen, bei dem Kanal von Aschaffenburg bis Nürnberg
und bei dem Ausbau der Donau zwischen Passau und Regensburg
vor allem die Bauten fertiggestellt werden, die durch ihre Verbindung
mit Wasserkraftanlagen der Schaffung elektrischer Energie
dienen sollen,
Es besteht ferner die Absicht, diese bayerischen Wasserstraßen
nach Fertigstellung des Großschiffahrtsweges vom Main bis Nürnberg
durch Fortsetzung dieses Kanals bis zur Donau zu verbinden, und somit
den nicht nur für Deutschland, sondern auch für die angrenzenden
Länder bedeutungsvollen Wasserweg Rhein-Main-Donau herzustellen.
Wieweit es sich bei solchen Kanälen um ein an sich wirtschaftliches
Unternehmen handelt, bedarf noch eingehender Untersuchung, besonders
da in den letzten Jahren ein Wandel eingetreten ist in der
Beurteilung, wieweit von dem Erlös aus Wasserkräften eine Verzinsung
der Wasserstraßenbauten zu erwarten ist. Nach Überwindung der
Kohlenknappheit der letzten Jahre und der Verbesserung der Wärmekraftmaschinen
ist mit einer wesentlichen Verbilligung der aus Kohlen
erzeugten elektrischen Energie zu rechnen, so daß der Gewinn durch
Wasserkraftwerke nicht mehr so bedeutend erscheint wie vor einigen
Jahren. Doch werden in vielen Fällen nur bei Ausnutzung der Wasserkräfte
neue Wasserstraßen möglich sein, So auch bei dem Plane Frankreichs,
von Straßburg bis Basel einen Seitenkanal auf dem linken Rheinufer
zu schaffen, und bei dem von Baden und der Schweiz befürworteten
Entwurf, durch künstlichen Aufstau des Rheins von Basel bis zum
Bodensee, bei gleichzeitiger Errichtung von Kraftwerken, die eine Gewinnung
von etwa 300000 PS ermöglichen sollen, die durchgehende
Rheinschiffahrt bis zum Bodensee zu ermöglichen, Der französische
Plan, der nicht nur die Schiffahrt erschweren würde, sondern auch
durch Ablenkung des Rheins in einen Kanal der badischen Landwirtschaft
Schaden brächte, ist von Deutschland und anderen Rheinuferstaaten
bekämpft worden, und es ist zu hoffen, daß statt des Seitenkanals
der von der Schweiz und Baden aufgestellte Entwurf, der den
Rhein durch Regulierung von Straßburg bis Basel zu einer vollwertigen
Wasserstraße ausbauen will, zur Durchführung kommt. Die internationale
Zentralkommission hat beide Pläne genehmigt, den französischen
und den deutschen. Da der letztere als der billigere und