Full text : Hundert Jahre J.P. Bachem, Buchdruckerei, Verlagsbuchhandlung, Zeitungsverlag

sog.  Osterdienstagskonferenz  in  Köln  (13.  April  1909),  die
zwei  Grundsätze  aufstellte:  „1.  Das  Zentrum  ist  eine  politische
Partei,  die  sich  zur  Aufgabe  gestellt  hat,  die  Interessen  des  gesamten ­
  Volkes  auf  allen  Gebieten  des  öffentlichen  Lebens  in  Einklang ­
  mit  den  Grundsätzen  der  katholischen  Weltanschauung  zu
vertreten.  2.  Der  große  Einfluß,  den  der  Volksverein  für  das
katholische  Deutschland  auf  das  katholische  Leben  übt,  erfordert
einen  engeren  Anschluß  an  den  Episkopat.“
Die  Bewegung  gegen  die  „Kölner  Richtung“  oder  die  „Richtung
Bachem“,  die  diesen  Vorgängen  folgte,  und  die  unter  anderem
1910  auch  die  namenlose  Veröffentlichung  des  Kaplan  Schopen
„Köln,  eine  innere  Gefahr  für  den  Katholizismus“  zeitigte,  nahm
in  den  nächsten  Jahren  immer  schärfere  Formen  an,  bis  1914
der  Reichsausschuß  der  Zentrumspartei  durch  eine
Kundgebung  vom  8.  Februar  dem  Streite  ein  Ende  machte.  Zweiundvierzig ­
  Mitglieder  (von  44  anwesenden)  des  Ausschusses
(darunter  der  Vorsitzende  Dr.  Spahn,  Franz  Brandts,  Erzberger,
Gerstenberger,  Gröber,  Herold,  Hitze,  Fürst  Löwenstein,  Marx,
Müller-Fulda,  Dr.  Forsch,  Dr.  von  Savigny)  erklärten  darin  mit
Bezugnahme  auf  eine  ähnliche  Erklärung  des  Landesausschusses
der  preußischen  Zentrumspartei  vom  28.  November  1909  als
Grundsatz,  was  die  „Kölner  Richtung“  stets  vertreten  hatte:  „Das
Zusammenwirken  katholischer  und  nichtkatholischer  Männer
innerhalb  der  Zentrumspartei  dient  zur  Erhaltung  des  Friedens
unter  den  christlichen  Konfessionen  und  der  Förderung  gemeinsamer ­
  Interessen.  Das  Zentrum  ist  eine  grundsätzlich  politische, ­
  nicht  konfessionelle  Partei.  Unter  Ablehnung
jeder  weiteren  Definition  erklären  wir:  Das  Zentrum  soll  bleiben,
wie  es  war  und  ist.“  Endgiltig  setzte  erst  der  Ausbruch  des
Weltkrieges  diesem  Zwist  ein  Ziel,  hoffentlich  für  immer.  Eine
zusammenfassende  Darstellung  des  Verlaufs  dieser  ganzen  Bewegung ­
  gab  Dr.  K.  Hoeber  in  seinem  Buche:  Der  Streit  um
den  Zentrumscharakter  (Zeit-  und  Streitfragen  der  Gegenwart,
Köln,  Bachem,  1910,  Bd.  I).
Kurze  Einzelheiten  aus  der  Geschichte  der  KV.
Trotz  der  mehrseitigen'tErweiterung  der  KV  seit  den  1880er  Jahren
blieb  der  Bezugspreis  bis  zum  1.  Januar  1907  unverändert,  vierteljährlich ­
  M.  6.75.  Nachdem  im  letztgenannten  Zeitpunkt  die  Viertel ­
            
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