Full text : Ferdinand Lassalle

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Freude  war  so  glühend  und  zärtlich,  daß  sich  meine  Vermutungen ­
  in  betreff  der  Art  seiner  Gefühle  für  mich
bestätigten.  Aber  gleichzeitig  konnte  ich  mich  nicht  der
Überzeugung  verschließen,  daß  selbst  einfache  Freundschaft ­
  von  einem  Manne  wie  Lassalle  zu  einem  so  jungen
Mädchen,  die,  was  den  Altersunterschied  anbelangt,
höchstens  nur  seine  Schülerin  sein  konnte,  schon  über
und  über  genug  wäre.  Ich  verscheuchte  meinen  Verdacht
und  fuhr  fort,  ebenso  einfach,  herzlich  und  unbefangen
ihm  gegenüber  zu  sein  wie  früher.  Nachdem  wir  etwa
zwei  Tage  in  Aachen  geblieben  waren,  reisten  wir  nach
Dresden  ab.  Lassalle  und  die  Gräfin  fuhren  mit  uns
bis  Köln,  von  wo  aus  wir  verschiedene  Wege  einschlugen:
sie  nach  Berlin,  wir  nach  Dresden.  Unterwegs  sprach
Lassalle  viel,  erzählte  uns  von  seinen  Triumphen  in
Köln  und  Düsseldorf,  beschrieb  seine  Verhaftungen  und
mehrfachen  Gefängnisstrafen;  dann  sprach  er  über  das
Gericht,  welches  ihn  zu  richten  hatte,  und  daß  er  demselben ­
  bewiesen  habe,  daß  die  vor  ihm  befindlichen
Richter  nicht  würdig  seien,  ihn  zu  richten;  daß  er  von
den  Geschworenen  glänzend  freigesprochen  und  von  der
Menge  mit  Hurrarufen  auf  den  Händen  hinausgetragen
worden  sei;  er  erzählte  ferner,  daß,  als  er  nach  der
Freisprechung  auf  dem  Platze  seinen  alten  Vater  getroffen
habe,  dieser  schluchzend  ihm  in  die  Arme  gefallen  sei
mit  dem  Ausrufe:  „Mein  Kind,  mein  Kind!"  Überhaupt
war  Lassalle  während  der  ganzen  Reise  besonders  heiter
und  gesprächig;  er  schien  sich  in  einem  aufgeregten  Zustand
zu  befinden,  der  aber  bei  der  Ankunft  in  Köln  gänzlich
verschwand.  In  Köln  blieben  wir  zwei  Tage  und  besahen
uns  vieles.  Unbeholfene  deutsche  Führer  begleiteten
            
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