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und noch weniger solche, die Ihnen passen würden.
Deutschland ist kein Land für gesellschaftliches
Leben.
Bei alledem werden Sie vielleicht ein wenig einsän:
sein. Wissen Sie auch, schönes Blümchen, das der Hellen
Sonne bedarf, was der Schatten der Einsamkeit bedeutet?
Anstatt des Geräusches und der Bewegung der großen
Welt, die Sie mit dem Glanze Ihrer Jugend und Ihres
Zaubers erfüllen könnten — die Einsamkeit? Taugt
das wohl für Sie? Können Sie auch darein willigen, all
Ihr einziges Glück in mir allein zu finden? Und noch
dazu, wenn Sie mich nicht den ganzen Tag haben
können. Denn, Sophie, eine Hälfte meines Tages nmß
immer wissenschaftlichen Arbeiten gewidmet sein. Ich
würde nie der Wissenschaft entsagen können.
In dieser Hälfte also würden Sie vielleicht zuweilen das
Alleinsein, die Langeweile empfinden! Werden Sie nie
seufzen, ein Ihrer so wenig würdiges Los gewählt
zu haben?
Freilich, ich verhehle es Ihnen nicht, es könnte wohl
sein, daß nur gewisse Ereignisse eintreten, eine Flut von
Bewegung, Geräusch und Glanz auf Ihr Leben fallen
würde, wenn Sie mein Weib sein werden. Aber nicht
wahr, Sophie, mit so großen Dingen, die das Ziel
der Anstrengungen des ganzen Menschengeschlechts bilden,
darf man nicht eine bloße Spekulation auf individuelles
Glück machen?
Deshalb darf man in keiner Weise darauf rechnen.
5. Gehen wir jetzt zu meiner finanziellen Lage über.
Sie haben zuerst angefangen, von der Ihrigen zu sprechen,
und sagten, daß Sie nicht wüßten, ob Sie irgendein