Full text : Ferdinand Lassalle

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Es  gibt  Verhältnisse,  Sophie,  in  denen  ich  eher  meine
Eingeweide  verschlingen  würde,  als  daß  ich  jemand
betrügen  könnte,  der  mir  gesagt  hat:  „Ich  glaube  an  dich!"
Überdies  habe  ich  ihr  sehr  viel  zu  danken,  denn  sie
hat  mich  viel  besser  gemacht,  als  ich  war.  Ich  kann
wohl  sagen,  daß  ich  ein  ausgezeichnetes  und  warmes
Herz  hatte,  aber  ich  hatte  auch  die  Laster  der  Kraft.
Ich  hatte  in  mir  wilde  Instinkte,  einen  fürchterlichen
Zorn,  eine  grenzenlose  Leidenschaftlichkeit;  ich  konnte
grausani  hart  sein  und  ohne  Mitleid.  Sie  hat  mir  alles
dies  abgewöhnt.  Sie  hat  in  mir  die  guten  Instinkte
entwickelt  und  die  anderen  unterdrückt.  Wenn  ich  jetzt
so  bin,  daß  Sie  mit  mir  glücklich  werden  könnten,  so  ist
das  ihr  Werk.
Und  also,  Sophie,  weil  ich  die  Gräfin  wie  ein
Sohn  liebe,  werden  Sie,  wenn  Sie  mich  zum  Manne
nehmen,  sie  auch  lieben  müssen,  wie  eine  wirkliche
Mutter,  mit  der  wahren  Zärtlichkeit  einer  Tochter.
Wenn  nicht,  so  würde  ich  nicht  glücklich  sein.
Aber  andererseits,  wenn  Sie  gut  gegen  sie  sein  werden,
wird  sie  Sie  in  kurzer  Zeit  mehr  lieben  wie  mich!  Sie
wird  Sie  wie  eine  Tochter  lieben,  ebenso  zärtlich,  wie
sie  immer  ihre  eigenen  Kinder  geliebt  hat.
Ich  hoffe  sie  bestinimen  zu  können,  bei  uns  zu  wohnen,
um  alle  drei  glücklich  und  vereint  zu  leben.
.  Da  sie  außerordentlich  zartfühlend  ist,  so  wird  sie
das  vielleicht  nicht  wollen,  ohne  zu  wissen,  ob  Sie  sie
lieben  werden,  aber  ich  werde  mich  für  Sie  verbürgen
und  hoffe  ihr  dies  Versprechen  abzuringen.
Jetzt,  Sophie,  habe  ich  alles  gesagt,  was  ich  zu  sagen
hatte.
            
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