Full text : Ferdinand Lassalle

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Am  anderen  Tage  besuchte  er  uns  sehr  früh,  wir
hatten  kaum  unser  Frühstück  beendet.  Er  trat  marmorbleich ­
  herein.  Kaum  nahm  er  sich  die  Zeit,  uns  zu  begrüßen, ­
  als  er  mich  zum  Fenster  zog  und  auf  das  lebhafteste ­
  und  ausdrücklichste  meine  sofortige  Einwilligung
zu  erzwingen  suchte.  Er  sprach  erst  leidenschaftlich,  dann
zärtlich,  seine  Stimme  vibrierte,  als  er  beteuerte,
daß  er  ohne  mich  nicht  leben  könne.  Seine  Hitze  und
Energie  schreckten  mich  und  brachten  eine  vollständige
Reaktion  in  meinen  Gefühlen  hervor;  meine  Hände
fielen  kraftlos  herab,  ich  wurde  ganz  kalt;  der  Eindruck  des
vergangenen  Abends  und  der  Nacht  waren  vollständig
verschwunden.
Mein  Held,  mein  Lehrer  hatte  sich  in  einen  gewöhnlichen ­
  Sterblichen  verwandelt,  der  eigensinnig
von  mir  das  Gefühl  begehrte,  welches  ich  für  ihn
nicht  besaß.  In  diesem  Moment  wurde  es  mir  vollständig ­
  klar.
„Lassalle,  ich  liebe  Sie  nicht,  ich  liebe  Sie  gar  nicht;
enden  wir.  Sie  tun  mir  leid,  aber  ich  kann  nichts  anderes
für  Sie  fühlen  als  Freundschaft."  Und  die  Tränen
traten  mir  in  die  Augen.
„Es  ist  nicht  wahr,"  schrie  er  auf.  „Heiraten  Sie  mich,
und  Sie  werden  mich  liebgewinnen.  Sie  werden  sehen,
daß  Sie  mich  lieben  werden."
„Es  ist  unmöglich!  Täuschen  Sie  sich  nicht  unnütz!"
„Ich  will  das  nicht  hören!  Jetzt  will  ich  Ihre  Antwort
nicht.  Sie  werden  daheim,  in  Rußland,  sich  nach  mir
sehnen;  ich  nehme  hier  Ihre  Abweisung  nicht  an."
Er  konnte  nicht  enden.  Zu  meinem  Vater  kam  der
Botaniker  Pritzel,  und  wir  fuhren  alle  zusammen  in  die
            
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