Full text : Ferdinand Lassalle

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Gewohnheit  der  Selbsterniedrigung  zur  Folge  haben
mußte.
Wenn  es  also  z.  B.  unserer  Regierung  einfiele,  zu
verordnen:  keine  Zeitung  darf  ferner  erscheinen,  welche
nicht  mit  fingergroßen  Buchstaben  die  Überschrift  trägt:
„Das  Volk  ist  eine  Kanaille,"  nun,  so  ist  gar  keinen
Augenblick  zu  zweifeln  —  denn  das  Geschäft  bringt  es
so  mit  sich!  —,  daß  unsere  liberalen  Blätter  erscheinen
würden  mit  der  fingergroßen  Überschrift:  „Das  Volk
ist  eine  Kanaille!"  Und  nicht  nur  das,  sondern  sie
würden  uns  jetzt  auch  noch  beweisen,  daß  das  gerade  der
höchste  Grad  echter  Überzeugungstreue  und  wahrer  Liebe
zum  Volke  sei,  daß  es  der  notwendige  neue  Kompromiß ­
  des  öffentlichen  Geistes  sei,  zu  sagen:  „Das  Volk
ist  eine  Kanaille!"
Wenn  jemand  Geld  verdienen  will,  so  mag  er  Kotton
fabrizieren  oder  Tuche  oder  auf  der  Börse  spielen.  Aber
daß  man  um  schnöden  Gewinstes  willen  alle  Brunnen
des  Volksgeistes  vergifte  und  dem  Volke  den  geistigen
Tod  täglich  aus  tausend  Röhren  kredenze  es  ist
das  höchste  Verbrechen,  das  ich  fassen  kann!  (Lang
anhaltendes,  sich  immer  wieder  erneuerndes  Bravo!)
Denkt  Euch  aber  noch  weiter  die  notwendige  Rückwirkung, ­
  welche  die  geschilderte  Arbeit  der  Zeitungen
auf  die  Beschaffenheit  der  Zeitungsschreiber  selbst  ausüben ­
  muß.  Ihr  wißt,  wie  der  Arbeiter  die  Arbeit,  so
bestimmt  wieder  in  hohem  Grade  wechselwirkend  die
Arbeit  die  Beschaffenheit  des  Arbeiters.  Das  lukrative
Annoncengeschäft  hat  den  Zeitungseigentümern  die
Mittel  gegeben,  ein  geistiges  Proletariat,  ein  stehendes
Heer  von  Zeitungsschreibern  zu  unterhalten,  durch  welches
            
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