Full text: Ferdinand Lassalle

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Zensurenschwindel 
Freitag, 28. Februar 
Heute kam der Rektor mit den Konduiten. Meine 
war, wie ich voraussehen konnte, ziemlich schlecht. Da 
rief der Rektor meinen Namen. Ich stand auf, und als 
er mir die schlechten Zeugnisse vorlaS, erwiderte ich, 
ich wüßte nicht, wie ich das verdient hatte. 
„Ja, ja, Lassal," entgegnete Schönborn, „man läßt 
Ihren Verdiensten nur keine Gerechtigkeit widerfahren. 
Doch" — und hierbei langte er mir die Konduite zu — 
„sagen Sie, warum sehe ich nicht die Unterschrift Ihres 
Vaters und immer die Ihrer Mutter?" 
„Weil mein Vater öfters abwesend ist," erwiderte 
ich. Und in dem Buche blätternd, fügte ich hinzu: „Doch 
ist auch seine Unterschrift da." 
„Lassen Sie doch einmal sehen, wo daö ist." 
Ich langte das Brich hinüber. 
„Ein einziges Mal hat Ihr Vater unterschrieben, und 
das war voriges Jahr. Ist Ihr Vater schon ein Jahr 
abwesend oder bloß immer, wenn Sie die Zensuren 
bekommen?" 
„Nein," erwiderte ich, und ich glaubte fest, der Rektor 
würde zu meinem Vater schicken und ihn bitten lassen, 
selbst zu unterschreiben. „Wenn Vater auch da ist, so 
läßt er doch manchmal die Zensur von Mutter unter 
schreiben." 
„DaS will ich Ihnen erklären!" schrie Schönborn. 
„Weil Sie die Zensur nie dem Vater und nur der Mutter 
zeigen!" Der Mann wußte nicht, daß ich eö in der 
Virtuosität so weit gebracht habe, sie niemand zu zeigen.
	        
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