Full text: Ferdinand Lassalle

„Aber das verbitte ich mir! Die Unterschrift Ihrer 
Mutter gilt gar nichts." 
„Hoho!" dachte ich, „meine Mutter hat Prokura." 
Jetzt gab er mir das Buch wieder. Eine Zentnerlast 
fiel von meiner Brust, als ich das kleine Büchlein noch 
in der Hand hatte. Doch war mir das Ganze sehr unan 
genehm, und ich will auch gleich sagen, warum. Bis jetzt 
hatte ich immer den Namen meiner Mutter unterschrieben, 
und es hielt mich eine gewisse Ehrfurcht davon ab, das ge- 
wichtige „Heymann Lassal" hinzuschreiben. Diesmal mußte 
ich aber diese Scheu ablegen, und so brachte ich andern Tags 
meine Zensur vom Vater unterschrieben, nämlich von 
mir, der ich nach Bedürfnis Vater, Mutter und Sohn bin. 
Wirklich, wenn mein Vater über das Konduitenwesen 
die richtige Ansicht hätte, ich würde ihm die Konduiten 
zeigen, und wenn mich die härteste Strafe erwartete. 
Aber mein Vater würde sich wirklich zu sehr ärgern, es 
würde ihn auf Wochen angreifen, er würde sich Wunder 
was für Gedanken über meine Untauglichkeit machen 
und nie recht glauben, wenn ich ihm zuriefe: 
„Laß dich nicht irren der Pöbels Geschrei, 
Richt den Irrtum rasender Toren." 
Handelsschüler in Leipzig Mai 1840 bis Mai 1841 
Dienstag, 26. Mai 
Als ich heute Schiebe fragte wegen eines englischen 
Lehrers, so verbot er mir, ohne Grund Englisch zu lernen. 
Tyrann! Wir bekamen Zensuren. Einige, welche die 
Besten waren, erhielten sie nicht, sondern Schiebe 
schickte sie ihren Eltern. Unter dieser Zahl war auch ich. 
- Großmann, Lassalle 
33
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.