Full text : Leben und Lehre des Buddha

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VI.  Die  Lehre  des  Buddha.

bekannt  in  der  Sanskritform  nirväna,  ist  das  Wort,  in  dem  die
Lehre  des  Buddha  gipfelt.  Nirväna  ist  zusammengesetzt  aus  dem
Präfix  nis,  „aus"  „heraus",  „weg",  das  vor  tönenden  Lauten
zu  nir  wird,  der  Wurzel  vä,  „wehen"  und  dem  Suffix  des  Participii
  Praeteriti  Passivi  na.  Es  bedeutet  also  wörtlich  „ausgeweht", ­
  „erloschen",  „ausgelöscht",  substantivisch  „das  Auslöschen",
„das  Erlöschen".  In  diesem  wörtlichen  Sinne  wird  es  oft  gebraucht,
wie  in  der  eben  angeführten  Stelle.  Sodann  wird  es  übertragen
auf  das  Erlöschen  des  Feuers  der  Lust.  Wer  die  vier  edlen  Wahrheiten ­
  kennt,  wer  nach  ihnen  handelt,  wer  seine  Leidenschaften  völlig
gebändigt  hat,  der  erlangt  schon  auf  Erden  den  Zustand  seliger
Ruhe,  das  Nirväna.  DerHeilige  braucht  nicht  auf  den  Tod  zu  warten,
um  erlöst  zu  werden;  er  findet  die  Erlösung  schon  auf  Erden.  In
den  Theragäthäs  sagt  der  Thera  Sämlqrtya:  „Ich  Verlange  nicht
nach  Tod,  ich  verlange  nicht  nach  Leben.  Ich  warte  auf  meine
Stunde,  wie  ein  Knecht  auf  seinen  Lohn.  Ich  verlange  nicht  nach
Tod,  ich  verlange  nicht  nach  Leben.  Ich  warte  auf  meine  Stunde,
voll  Bewußtsein  und  Denken,"  alte  Verse,  die  auch  dem  Säriputra
zugeschrieben  werden  und  sich  teilweise  auch  in  der  brahmanischen
Literatur  finden.  Die  Texte  heben  überaus  oft  hervor,  daß  für
den  Buddhisten  Nirväna  zunächst  und  in  erster  Linie  der  Zustand
der  Sündlosigkeit  und  Leidlosigkeit  ist.  Einst  kam  der  Wandermönch
J  ambukhädaka  zu  Säriputra  und  sprach  zu  ihm:  „Man  sagt,  o
Bruder  Säriputra,  Nirväna,  Nirväna!  Was  ist  denn  nun,  o  Bruder,
das  Nirväna?"  Und  Säriputra  antwortete:  „Die  Vernichtung  der
Leidenschaft,  die  Vernichtung  der  Sünde,  die  Vernichtung  der  Verblendung, ­
  das,  o  Bruder,  ist  Nirväna."  Auf  die  Frage  des  Jambukhädaka,
  ob  es  einen  Weg  zur  Erlangung  des  Nirväna  gebe,
empfiehlt  Säriputra  ihm  den  edlen  achtgliedrigen  Weg.  Im  Dbammapada
  heißt  es:  „Wenn  du  dich  nicht  mehr  aufregst,  (still)  wie
eine  gesprungene  Glocke,  daun  hast  du  das  Nirväna  erreicht;  du
wirst  nicht  mehr  üble  Reden  führen."  Und  im  Suttanipäta:  „Wessen
Leidenschaften  vernichtet  sind,  wer  frei  ist  von  Hochmut,  wer  den
ganzen  Pfad  der  Lust  bewältigt,  wer  sich  bezwungen  und  das  Nirväna ­
  erreicht  hat,  fest  au  Geist,  ein  solcher  wandelt  richtig  in  der
Welt."  Es  gibt  also  eine  Erlösung  schon  bei  Lebzeiten.  Das  ist
wieder  nichts  dem  Buddhismus  Eigentümliches.  Allen  philosophischen
Systemen  Indiens  ist  der  Gedanke  gemeinsam,  daß  die  Erlösung
nur  durch  eine  bestimmte  Erkenntnis  erreicht,  dann  aber  auch
nicht  mehr  verloren  werden  kann.  Diese  Erlösung  bei  Lebzeiten
            
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