Full text : Leben und Lehre des Buddha

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VI.  Die  Lehre  des  Buddha.

stets  Parinibbäna  =  Sanskrit  Pariniryäna,  oder  seltener
Sammänibbäna  —  Sanskrit  Samyannirväna,  „das  völlige
Nirväna".  Das  Werk,  das  uns  vom  Tode  Buddhas  berichtet,  heißt
Mahäparinibbänasutta,  und  als  Buddha  gestorben  war,  wird
von  ihm  nur  der  Ausdruck  Parinibbutta  gebraucht.  Das  Nirvana
hat  also  faktisch  zwei  Stufen:  die  Erlösung  bei  Lebzeiten,  daskUrvana
schlechthin,  und  die  Erlösung  nachdem  Tode,  das  Aufhören  der  Wiedergeburten, ­
  das  Parinirvana,  nur  ungenau  auch  diirväna  schlechthin
genannt*).  Die  erste  Stufe  ist  die  notwendige  Vorbedingung  für
die  zweite.  Wer  die  richtige  Erkenntnis  der  Lehre  Buddhas  erlangt ­
  hat  und  entschlossen  ist,  in  ihr  zu  bleiben,  der  bekundet  damit ­
  zugleich  seine  Absicht,  nicht  mehr  wiedergeboren  zu  werden.
So  ist  l^irvaua  der  Gegensatz  zu  Trsna,  „Durst".  Ist  Tpsna
die  Bejahung  des  Willens  zum  Leben,  so  ist  blirväua  seine  Verneinung. ­
  Das  Erlöschen  des  Durstes  hat  das  Erlöschen  des  Lebens ­
  zur  Folge,  den  ewigen  Tod.  Das  ist  die  logische  Konsequenz ­
  der  Lehre  Buddhas.
Es  gibt  nun  eine  Reihe  von  Stellen  in  den  alten  Texten,  in
denen  Buddha  die  Frage  über  den  Zustand  nach  dem  Tode  direkt
abweist.  Es  ist  daher  die  Behauptung  aufgestellt  worden,  Buddha
habe  eine  scharfe  Formulierung  des  Begriffes  Nirväna  vermieden,
und  das  offizielle  Dogma  sei  gewesen:  Über  den  Zustand  nach  dem
Tode  hat  der  Vollendete  nichts  offenbart.  Das  ist  nicht  richtig.
Allerdings  weist  Buddha  die  Frage  ab,  was  aus  dem  Menschen
nach  dem  Tode  werde,  aber  nur,  weil  diese  Frage  für  die  Erlösung
ganz  unnötig  sei.  Er  hat  nicht  den  geringsten  Zweifel  daran  gelassen, ­
  was  das  Ziel  seiner  Lehre  ist:  das  Zuruhekommen  aller
Laumkaras,  d.  h.  aller  Gedanken,  die  aus  früheren  Existenzen  noch
im  Geiste  sind,  die  Vernichtung  der  Denksubstanz,  die  Aufhebung
aller  Skaliern  —  der  ewige  Tod.  Daß  dieses  Ziel  erreicht  werden
kann,  erkennt  der  Mensch  beim  Eintritt  in  das  erste  blirvaua,  wo
er  bei  Lebzeiten  erlöst  wird.  Dann  weiß  er,  daß  diese  Geburt
seine  letzte  ist,  daß  es  keine  Wiedergeburt  mehr  für  ihn  gibt,  daß
er  beim  Tode  das  bolle  Nirväna  erlangt.  So  ist  das  erste  Nirväna
  für  ihn  die  Ursache  des  Glücks,  das  kummerlose,  unvergleichliche ­
  Land  des  Friedens,  die  ewige  Stätte,  wo  man  kein  Leid
kennt,  ein  Ort,  den  die  buddhistischen  Quellen  mit  glühenden  Farben
1)  Daß  zwischen  Nirväna  und  Parinirväna  zu  scheiden  ist,  hat  zuerst ­
  Rhys  Davids  richtig  erkannt.  Die  Gleichsetzung  von  Jivanmukti
und  Samditthikam  Nibbänam  ist  bisher  übersehen  worden.
            
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