Full text : Leben und Lehre des Buddha

Das  Nirväna.

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heißt  Jivanmukti,  ein  bei  Lebzeiten  Erlöster  ein  Jivanmukta.
Der  Jivanmukti  der  Brahmanen  aber  entspricht  genau  das
Samdittbikam  Nibbänam,  „das  Nirväna  bei  Lebzeiten"  der
Buddhisten.  Wenn  also  Buddha  lehrte,  daß  das  Nirväna  schon
bei  Lebzeiten  erlangt  werden  kann,  so  folgte  er  nur  den  Anschauungen ­
  seiner  Zeit  und  seiner  Vorgänger.  Einigermaßen  neu  war
nur  der  Weg,  den  er  einschlug.  Nirväna  ist  also  zunächst  nur  das
Erlöschen  des  Durstes,  das  Aufgeben  der  Freuden  dieser  Welt.
Aber  damit  ist  noch  keine  völlige  Erlösung  gewonnen.  Die  Erkenntnis ­
  hat  nämlich  keine  rückwirkende  Kraft  auf  die  Taten,  die
ich  vor  der  Erkenntnis  ausgeführt  habe,  sie  vernichtet  nicht  die
Sarnskäras,  die  latenten  Eindrücke.  Die  Folgen  dieser  Taten  hat
auch  der  bei  Lebzeiten  Erlöste  zu  tragen.  Nach  der  Erkenntnis
aber,  und  damit  nach  der  Erlösung  bei  Lebzeiten,  begeht  der  Erlöste ­
  keine  Taten  mehr,  die  für  die  Zukunft  vorauswirken,  da  er
gegen  die  Dinge  dieser  Welt  gleichgültig  ist.  Mit  der  Erkenntnis,
dem  Schwinden  des  Nichtwissens,  hört  also  die  Möglichkeit  guter
und  schlechter  Werke  und  damit  die  Möglichkeit  einer  neuen  Geburt ­
  auf.  Der  Kreislauf  des  Lebens  schließt  mit  dem  Tode.  Der
Erlöste  stirbt,  ohne  wieder  aufzuwachen.  Im  Suttanipäta  wird  erzählt, ­
  daß,  als  Buddha  einst  zu  Llavi  weilte,  kurz  zuvor  der  Älteste
Nigrodhakappa,  der  Lehrer  des  Vangloa,  des  Improvisators  unter
den  Ältesten,  gestorben  war.  Vangisa  wollte  wissen,  ob  Nigrodhakappa ­
  baSNirväna  erreicht  habe  oder  nicht,  und  fragteBuddha:„Das
fromme  Leben,  das  Nigrodbakappa  geführt  hat,  war  das  für  ihn
vergeblich?  Ist  er  ins  Nirväna  eingegangen,  oder  existieren  seine
Skandhas  noch?"  Der  Herr  antwortete:  „Er  hat  den  Durst  nach
Namen  und  Form  in  dieser  Welt  vernichtet,  den  Strom  Märas,  in
dem  er  sich  lange  Zeit  befand;  er  hat  Geburt  und  Tod  restlos  überwunden." ­
  „Er  hat  Geburt  und  Tod  restlos  überwunden"  heißt,  kein
Rest  der  8kandba8  ist  übrig  geblieben;  er  wird  nicht  mehr  wiedergeboren ­
  werden.  Und  als  der  Älteste  Godbika  sich  selbst  den  Tod
gegeben  hatte,  sagte  Buddha:  „Godbika,  der  Sohn  guter  Familie,
ist  ins  Nirväna  eingegangen,  ohne  daß  seine  Denksubstanz  sich
irgendwo  befindet,"  und:  „Godbika  ist  ins  Nirväna  eingegangen,
nachdem  er  das  Heer  des  Todes  besiegt,  keine  Wiedergeburt  mehr
erlangt  und  den  Durst  mit  der  Wurzel  ausgerissen  hat."  „Er  ist  ins
Nirväna  eingegangen"  ist  im  Original  Parinibbuto,  und  so  gebrauchen ­
  die  Texte,  wenn  sie  genau  sprechen,  von  dem  Zustande  eines
Toten,  der  die  völlige  Erlösung  von  der  Wiedergeburt  erlangt  hat.
            
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