Full text : Leben und Lehre des Buddha

Die  Versenkung.

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die  erste,  wieder  nur  mit  dem  einzelnen  Individuum  für  sich  zu
tun.  Der  Buddhismus  kennt,  wie  wir  sahen,  zwar  Götter,  aber
keinen  Gott.  Und  daher  hat  er  auch  kein  Gebet.  Er  hat  Bekenntnisformeln, ­
  Lobsprüche  und  Loblieder  auf  Buddha  und  die
Kirche,  aber  kein  Gebet.  Zu  wem  hätte  der  Buddhist  auch  beten
sollen?  Buddha  ist  für  ihn  stets  ein  Mensch  geblieben.  Mit  seinem
Eingang  ins  Larivirvärm  ist  er  jedem  Dasein  entrückt;  er  existiert
nicht  mehr.  Die  spätere  Zeit  hat  sich  Gegenstände  äußerer  Verehrung ­
  geschaffen,  und  sie  hat  auch  das  Gebet,  sogar  in  häufigerer
und  mechanischerer  Anwendung  als  andere  Religionen.  Aber  dem
alten  Buddhismus  ist  das  Gebet  fremd;  an  seiner  Stelle  erscheint
die  Versenkung.  Sie  kann  aber  nur  der  Mönch  ausüben.  Die
Texte  unterscheiden  vier  Stufen  der  religiösen  Versenkung.  Der
Mönch,  der  sich  der  Versenkung  hingeben  will,  zieht  sich  an  einen
ruhigen,  abgeschlossenen  Ort  zurück,  setzt  sich  mit  übereinandergeschlagenen
  Beinen  hin,  „den  Körper  gerade  aufgerichtet,  das  Antlitz
mit  wachsamem  Denken  umgebend."  So  konzentrierte  er  seinen
Geist  auf  einen  Punkt,  er  suchte,  wie  man  sagte,  einen  „Stützpunkt".
So  wird  erzählt,  daß  ein  Mönch,  der  Versenkung  üben  wollte,
einst  ani  Ufer  des  Flusses  L.oirs,vati  saß  und  dort  den  Schaum
der  Wellen  entstehen  und  bald  wieder  vergehen  sah.  Da  kani  ihm
der  Gedanke,  wie  der  Schaum  dieser  Wellen,  so  entsteht  und  vergeht ­
  auch  der  menschliche  Leib.  Diesen  Gedanken  nahm  er  sich
zum  Ausgangspunkt  für  seine  Versenkung;  er  wurde  sein  „Stützpunkt". ­
  Wenn  der  Mönch  dann  so  in  Gedanken  versunken  dasitzt,
wird  sein  Geist  allmählich  mit  Begeisterung  und  Klarheit  angefüllt.
Die  Lust  und  die  bösen  Neigungen  schwinden;  aber  der  Geist  wird
noch  beherrscht  vom  Überlegen  und  Erwägen  des  „Stützpunktes".
Das  ist  die  erste  Stufe.  Die  zweite  Stufe  ist,  daß  der  Geist  sich
von  diesem  Überlegen  und  Erwägen  frei  macht,  daß  er  zur  Gewißheit ­
  gelaugt,  und  nur  die  Begeisterung  und  Klarheit  übrig
bleiben.  Auf  der  dritten  Stufe  befreit  er  sich  von  der  Begeisterung
und  damit  von  Freude  und  Leid.  Auf  der  vierten  Stufe  wird  der
Geist  völlig  gleichgültig  gegen  alles;  der  Atem  stockt.  Auf  dieser
Stufe  glaubte  man  in  die  Vergangenheit  zurückblicken  und  seine
früheren  Geburten  erkennen  zu  können.  Jetzt  wähnte  man  auch
imstande  zu  sein,  sich  übernatürliche  Kräfte  zu  erwerben,  Wunder
zu  wirken,  die  Gedanken  anderer  zu  erkennen,  sein  eigenes  Ich  zu
vervielfältigen  und  beliebig  zu  versetzen.  Es  wird  oft  hervorgehoben,
daß  der  Mönch,  der  die  vierte  Stufe  der  Versenkung  erreicht  hat,
            
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