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unverändert bestehen. Aber im großen ganzen haben der
Ersatz der Handarbeit durch Maschinen, die große Ver
breitung von Kenntnissen durch den immer billiger wer
denden Buchdruck, der rapid wachsende Zufluß von Men
schen nach der Großstadt, das Zusammendrängen von Tau
senden, ja Millionen unter physischen und geistigen Bedin
gungen, die alle soziale Ordnung der Vergangenheit um
kehren, die zunehmend raschen Verkehrsmittel, die durch
die schnellen Verkehrswege erleichterte Verbindung zwi
schen entfernten Rassen und Länder, — all dies hat den
menschlichen Horizont in jeder Richtung erweitert und ver
ändert. Es hat eine so komplizierte und raschem Wandel
unterworfene Gesellschaftsordnung erzeugt, daß soziale
Harmonie all ihrer Teile unmöglich ist und soziale Unruhe,
Gegensätzlichkeit der Ideale in Anschauungen und Ein
richtungen und damit auch menschliche Leiden unaus
weichlich sind. Ebenso wie die alten Gewehre und Acker
baugeräte, die unsere Väter verwendeten, in den Händen
ihrer Nachkommen wertlos wurden und die Muster, die
unsere Mütter webten, und die Strümpfe, die sie strikten,
durch den modernen Webstuhl überflüssig geworden sind,
werden ihre sozialen Einrichtungen, ihr Glaube und ihre
Lebensgewohnheiten täglich in noch höherem Grade für
uns unpassend, und Reibungen und Leiden werden unaus
weichlich, besonders für die fortgeschrittensten und diffe
renziertesten Individuen unserer Gesellschaft.
Diese Leiden erwachsen, wenn wir es genau betrachten,
aus drei Ursachen:
Erstlich aus der Tatsache, daß die bloße, außerordentlich
rasche Veränderung meist schmerzvoll wird, indem bereits
gefestigte Gewohnheiten und Anschauungsweisen gewalt
sam verletzt werden, wie ein sehr rasch wachsender Baum
seine Rinde sprengt und seine inneren Säfte ausscheidet.
Zweitens erwachsen sie daraus, daß zwischen Individuen
derselben Gesellschaft, die sich nicht im selben Tempo den