Full text : Die Bodenreform im Lichte des humanistischen Sozialismus

124

Die  Wohnungsfrage.

Ausbeutung  durch  Boden-  und  Bauspekulanten  zu  schimpfen,,
ein  anderes,  sich  auf  Kosten  der  Bevölkerung  durch  Zölle
usw.  zu  bereichern.  Die  Wohnungsfrage  ist  ganz  besonders'
ein  Steckenpferd  der  Agrarier,  soweit  es  sich  um  städtische
Wohnungszustände  handelt;  sie  werden  nicht  müde,  hier
höchstes  Mitleid  zu  äußern,  und  die  abenteuerlichsten  Ideen,.
von  denen  hernach  noch  die  Bede  sein  soll,  vorzubringen,,
während  sie  die  eigenen  Landarbeiter  meist  in  Behausungen,
die  den  Zorn  aller  Beobachter  erregen,  verkommen  lassen.
Uns  aber  mag  die  Tatsache,  daß  auch  diese  Herren  Besorgnis ­
  äußern,  beweisen,  wie  besonders  akut  die  WohnungS'
frage  in  unseren  Tagen  geworden  ist.
Wenn  wir  auch  nicht  darüber  im  Zweifel  sind,  daß  sogar'
die  Mittelklassen  in  die  Wohnungsfrage  hineingezogen  sind,
so  tritt  uns  die  Wohnungsnot  doch  im  wesentlichen  in
den  ärmeren  Teilen  der  Bevölkerung  entgegen.  Diese  bedauernswürdigen ­
  Menschen  sind  unfähig,  die  hohen  Mieten,-welche
  die  Bauspekulanten  resp.  Hausbesitzer  von  ihnen  für
eine  gesunde  Wohnung  fordern,  zu  zahlen,  und  müssen  dabei
in  großen  Städten  oft  Räume  nehmen,  welche  für  den  Aufenthalt ­
  eines  Tieres  zu  schlecht  sind.  Im  Durchschnitt  kann
es  der  Lohnarbeiter  selten  auf  drei  Wohnräume  bringen,  und
das  ist  doch  das  allermindeste  Maß,  w^as  gefordert  werden
muß,  da  ein  Familienleben  in  zwei  Stuben,  geschweige  einer
Stube  nicht  denkbar  ist.  Aber  es  gibt  noch  Städte,  welche
gestatten,  daß  menschliche  Wesen  in  Kellerwohnungen
hausen  und  unter  Verhältnissen,  welche  allen  gesitteten  Zuständen
  Hohn  sprechen.
So  meldet  ein  Bericht  aus  Breslau:  „Die  Kellerwohnungenleiden ­
  noch  besonders  unter  den  eigentümlichen  Boden-  und
Grundwasserverhältnissen,  da  die  innere  Stadt  und  die  Vorstadt
des  rechten  Oderufers  auf  porösem  Alluvium  stehen;  in  den  südlichen ­
  Gebieten  lagern  dicht  unter  der  Humusdecke  undurchlässige ­
  Letteschichten,  welche  sich,  der  Gestaltung  der  Oberfläche ­
  folgend,  von  Süden  nach  Norden  allmählich  senken.  Die
atmosphärischen  Niederschläge,  unfähig,  in  das  tiefere  Erdreich
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.