Die Wohnungsfrage. 149
für solche einschneidenden Schritte. Ja, sie suchen sich
Vereinigungen, welche dem Ganzen dienen wollen, mit
Erfolg nach dieser Richtung hin dienstbar zu machen, in
dem sie eifrige Genossen in dieselbe bringen. Aber es
kann nun einmal nicht helfen, dieses Versteckenspiel! Wahr,
unumstößlich wahr bleibt des Plinius Wort auch für unsere
Tage: „Latifundia perdidere Romam et provincias.“ (Der
Großgrundbesitz hat Rom und die Provinzen ins Verderben
gestürzt.) Die Herren Großgrundbesitzer werden, mögen
sie wollen oder nicht, auf dem schonungsvollsten Wege
der Gesetzgebung dem allgemeinen Wohle zum Opfer fallen
müssen! Und dreimal wehe dem, der, sei er auch der
mächtigste Mann, den Forderungen der Gerechtigkeit sich
entgegenzustellen wagt! Ihm und seinen Genossen rufen wir
die markigen Worte entgegen:
„Ihr werdet nimmermehr Gewalt in Recht verwandeln,
Die Erde ist uns doch alleigen!
Mögt ihr sie tausendmal verschachern und verhandeln,
Mögt ihr auf Rechte und Gesetze zeigen,
Die Stunde schlägt, ob ihr nun wollt ob nicht,
In der das letzte Glied der Sklavenkette bricht!
Durch den Niedergang der Bodenpreise werden viele
Wucherer ein Ende mit Schrecken finden, sie werden den
Lohn ihrer Habsucht in mancherlei Gestalt zugewiesen er
halten. — Was wir an anderen Orten von der staatlichen
Übernahme ländlichen Hypothekarkredites gesagt' haben,
gilt noch vielmehr von dem städtischen. Auch hier hat der
Staat zu warten, bis durch bessere Landverteilung ein starkes
Sinken der Bodenrente eingetreten ist, ehe er den Kredit
auf sich nimmt. Würde er heute die emporgeschwindelten
Bodenpreise resp. Hypotheken übernehmen, so hieße das die
Verpflichtung auf sich laden, die Schulden einzelner durch
die übrigen Bürger tilgen zu lassen. Wir aber sind der
Meinung, daß jeder seine Schulden selbst tilgt, und der
Staat ihm dadurch zu Hilfe kommt, daß er durch andere