Full text : Die Bodenreform im Lichte des humanistischen Sozialismus

Die  Bodenreform  im  Lichte  des  .Freihandels.

45  -

1886/87

1887/88

1888'89

Wirtschaftsunfälle  und  Naturereignisse

.  6,19

5,15

5,76

unzweckmäßige  Erbregulierung

.  5,50

2,75

2,68

Wucher,  Übervorteilung  im  Handel  .  .

.  3,05

2,01

1,84

schlechte  Lage  der  Landwirtschaft  .

.  6,04

5,85

6,01

Wenn  also  hiernach  die  schlechte  Lage  der  Landwirtschaft,
soweit  sie  auf  den  sinkenden  Preisen  im  Verhältnis  zu  den
Schuldverpflichtungen  oder  Pachtzahlungen  beruht,  offenbar
klein  erscheint,  so  weiß  der  Kundige  a  priori,  daß  die  Zahl
der  Zwangsversteigerungen,  welche  im  Jahre  1888/89  auf  2446
gesunken  war,  kein  Maßstab  für  die  Verschuldung  sein  kann.
Man  weiß  ferner,  daß  der  kleine  Bauer  sich  auf  das  Nötigste
einschränken  kann,  um  den  Besitz  zu  erhalten.  Aber  wie
auch  in  nächster  Nähe  der  kleinbäuerliche  Besitz  weniger
wird,  wie  er  von  dem  Landhunger  der  Großgrundbesitzer
aufgesogen  wird,  zeigte  eine  Notiz  über  die  Vergrößerung
•  des  Gräflich  von  Speeschen  Familienfideikommiß  Heltorf.
Es  heißt  da  aus  dem  Jahre  1887:
„Reichsgraf  Franz  v.  Spee  hat  neuerdings  wiederum  dem
Gräflich  v.  Speeschen  Familienfideikommiß  Heltorf  bei  Düsseldorf ­
  eine  Anzahl  von  Grundstücken  in  verschiedenen  Gemeinden,
teilweise  unter  Ablösung  der  darauf  ruhenden  Gerechtsamen
usw.,  einverleibt.  Soweit  uns  die  Stimmung  in  landwirtschaftlichen ­
  Kreisen  bekannt  ist,  kann  man  sich  mit  dem  steten
Anwachsen  des  Besitzes  der  Großgrundbesitzer,  welches  den
Stand  der  Landwirte  mehr  einschränkt  und  deren  Existenz
erschwert,  nicht  einverstanden  erklären.  Die  neuen  v.  Speeschen
Erwerbungen  betragen  lö82  Hektare  30  Are  und  61  Meter;
davon  entfallen  auf  die  Stadtgemeinde  Düsseldorf  15  Ar
39  Meter,  auf  Lohausen  29  Ar  32  Meter,  Böckum  1  Hektar,
Wittlaer  33,  Ratingen  50,  Eggerscheid  319,  Bracht  13  Hektare,
Homberg  96  Are,  Breitscheid  50Hektare,  Selbeck  19,  Eckamp  34,
Hösel  78,  Lintorf  419,  Huckingen  365,  Serm  31,  Saarn  123
und  Angermund  139  Hektare.“
Aus  freier  Hand  verkaufen  die  Bauern,  werden  Tagelöhner, ­
  Fabrikarbeiter  oder  wandern  aus.
Aber  mag  auch  die  Ursache  der  Verschuldung  und  Zwangsversteigerung ­
  sein,  welche  immer  sie  wolle,  wir  sehen  den
Grund  und  Boden  von  dem  Kapitalismus  benutzt,  damit  er
            
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