Full text : Logik des Geldes

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Erstes  Kapitel.  Methodologie.

lang  über  das  Wesen  des  Oeldes  nachgesonnen  hat,  unterscheidet ­
  sich  von  dem  des  Kollegen,  der  das  »Geld«  stets
nur  nebenbei  erledigt  hat.  Wer  sich  vorzugsweise  mit  dem
dynamischen  Problem  befaßt  hat,  der  wird  einen  anderen
Begriff  haben  als  der,  für  den  die  statische  Grundfrage  im
Mittelpunkte  des  Interesses  steht.  Ein  Bankbeamter  wird
selten  den  gleichen  Geldbegriff  haben  wie  ein  Theoretiker.
Juristen  denken  sich  das  Geld  anders  als  Nationalökonomen,
und  untereinander  scheinen  die  juristischen  Begriffe  wieder
so  verschieden  zu  sein  wie  die  wirtschaftlichen.  Beim  Kaufmann ­
  bildet  sich  ein  anderer  Begriff  als  beim  Juristen.  Aber
denken  wir  uns  selbst  einmal  zwei  Gelehrte,  die  genau  den
gleichen  Studiengang  durchgemacht  hätten,  die  gleiche  Zahl
von  Jahren  mit  gleicher  Intensität  über  »das  Geld«  nachgedacht ­
  und  genau  die  gleiche  Auswahl  von  Schriften  gelesen
hätten,  —  eine  fast  unmögliche  Voraussetzung  —:  Es  ist
nicht  einmal  wahrscheinlich,  daß  diese  zwei  Individuen  denselben ­
  Geldbegriff  haben  würden,  da  die  ihren  Begriffen  zugrunde ­
  liegenden  Vorstellungen  individuell  differieren  könnten. ­
  Wir  dürfen  annehmen,  daß  es,  theoretisch  gedacht,  unzählige ­
  Geldbegriffe  gibt,  und,  praktisch  genommen,  mehrere.
Keiner  dieser  Begriffe  ist  »der  richtige«.  Der  Streit  um
den  Geldbegriff  ist  daher  keineswegs  ein  Streit  um  Worte,
wie  man  zuweilen  gemeint  hat,  wohl  aber  ein  Streit  um  die
Richtung  des  Denkens  und  die  Eigenart  der  Vorstellungen.
Es  ist  zuweilen  ein  Streit  der  Neigungen  und  Begabungen,
in  welchem  jeder  behauptet,  seine  Neigung  und  Begabung
sei  die  einzig  berechtigte.  Zuweilen  ist  es  ein  Streit  zwischen
Juristen  und  Nationalökonomen,  bei  dem  jeder  meint,  seine
Wissenschaft  habe  recht,  ohne  sich  bewußt  zu  werden,  daß
man  von  ganz  verschiedenen  Voraussetzungen  ausgeht.  Geld
aber  ist  nicht  Materie,  nicht  Funktion;  Geld  ist  weder  cpvaei
noch  vp/xy.  Geld  ist  kein  Produkt  der  Wirtschaft  und  kein
            
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