Full text : Logik des Geldes

§  3.  Das  alte  Kapitel  von  den  Eigenschaften  der  Edelmetalle.  67

gebrauch  prädestiniert  haben,  ein  wichtiges  Kapitel  jedes  nationalökonomischen ­
  Lehrbuches  bildet.  Soweit  der  Spott  sich
auf  das  endlose  Wiederholen  der  alten  Weisheit  bezieht,
mag  er  berechtigt  sein.  Aber  der  Inhalt  der  alten  Lehre  wird
in  seiner  Wahrheit  und  seiner  Bedeutung  für  die  Qeldtheorie
dadurch  gar  nicht  berührt.  Dieses  ist  von  neueren  Schriftstellern ­
  übersehen  worden.  Wenn  Knapp  in  prinzipiellem
Gegensätze  zu  den  »metallistischen«  Lehren  jenes  Kapitel
für  unwesentlich  ansieht,  so  liegt  hierin  unseres  Erachtens
gerade  eine  der  bedenklichsten  Schwächen  seiner  Theorie:
Sie  bleibt  zu  abstrakt  und  zu  formal,  um  über  das  Wesen  des
Geldes  eine  befriedigende  Auskunft  geben  zu  können.  Die
alte  und  traurige  Erkenntnis  macht  sich  hier  geltend:  Je  allgemeiner ­
  ein  Begriff  oder  ein  Satz,  desto  inhaltsloser  ist  er.
In  dem  löblichen  Streben  nach  Allgemeinheit  und  objektiver
Gültigkeit  für  ihre  Sätze  hat  die  Knappsche  Lehre  bewußt
davon  abgesehen,  einem  der  wichtigsten  speziellen  Fälle  des
Geldproblems  auf  den  Grund  zu  gehen.  Sie  hat  dabei  nicht  nur
auf  eine  tiefgehende  Deutung  der  Geldphänomene  mehrerer
Jahrtausende  verzichtet,  sondern  auch  in  Hinsicht  auf  die  Probleme ­
  der  unsicheren  Zukunft  den  einzigen  Boden  verlassen,
der  als  relativ  sicher  gelten  darf  und  der  eine  gewisse  Wahrscheinlichkeit ­
  verheißt.  Jene  großartige  Sprache,  mit  der  bei
Knapp  das  Münzwesen  als  eine  technische  Einrichtung  von
untergeordneter  Bedeutung  abgetan  wird,  mit  der  ferner  die
historische  Zufälligkeit  der  Wahl  der  Edelmetalle  als  Geld
angedeutet  wird,  imponiert  zunächst,  weil  sie  paradox  klingt,
aber  sie  ist  deshalb  noch  nicht  begründet.
So  wenig  ein  Schillersches  Drama  dadurch  an  Wert  verliert, ­
  daß  es  von  pedantischen  Lehrern  in  geschmackloser
Gründlichkeit  zu  Schulzwecken  zerpflückt  wird,  so  wenig  die
Tannhäuser-Ouvertüre  ihre  Größe  dadurch  einbüßt,  daß  sie
in  Kinematographen  gespielt  wird,  so  wenig  der  Kern  der
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