Full text : Volkswirtschaftliches Quellenbuch

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4.  Gustav  v.  Mcvissen  als  Stifter  der  Kölner  Handelshochschule.

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den  Fortbildungsschulen,  die  die  fachliche  Berufsausbildung  aufs  bestmöglichste
pflegen,  für  die  oberen  Spitzen  der  kaufmännischen  Welt  ein  wirkliches  Hochschulstudium ­
  organisieren,  wie  es  die  übrigen  führenden  Berufe  im  Laufe  der  letzten
Jahrhunderte,  im  19.  Säkulum  auch  die  Techniker,  gewonnen  haben.  Für  jene,  die
sich  nicht  nur  kleineren  Betrieben  widmen  wollen,  sondern  sich  höhere  Ziele  setzen,
schien  es  ihm  wünschenswert,  die  Möglichkeit  zu  schaffen,  mit  ganzer  Kraft  ungehindert
auf  Erlangung  einer  guten  Allgemeinbildung  und  gründlicher  Fachkenntnisse  hin
zu  arbeiten  und  während  dieser  Lernzeit  frei  von  geschäftlichen  Obliegenheiten,  von
ermüdender  Alltagsarbeit  zu  bleiben.
Der  Augenblick  für  die  Verwirklichung  solcher  Gedanken  war  allerdings  noch
nicht  gekommen.  Zwar  nahm  die  Stadtverwaltung  die  Stiftung  an,  aber  weder  sie
noch  die  Provinzialverwaltung  ging  zu  Taten  über,  und  die  öffentliche  Meinung
brachte  dem  Projekt  vorderhand  wenig  Verständnis  entgegen.  Nur  die  Kaiserin
Augusta  schrieb,  als  sie  Mevissen  am  5.  Juli  1879  „in  alter  Gesinnung"  als  Zeichen
des  Dankes  für  die  Verschönerung  ihres  Festes  ihr  eigenes  und  des  Kaisers  Porträt
übersandte:  „Die  Handelsakademie,  welche  Ihnen  zunächst  ihre  Entstehung  verdanken
wird,  entspricht  einem  Bedürfnis  der  Zeit  und  des  Vaterlandes.  Ich  interessiere  mich
sehr  für  diesen  Gedanken  und  bitte  Sie,  mich  in  Verbindung  mit  demselben  zu
erhalten".  Mevissen  gab  sich  keiner  Täuschung  über  die  Situation  hin.  Am  6.  Juli
erwiderte  er  der  Kaiserin:  „Diese  Schöpfung,  bestimmt,  eine  wahre  Lücke  in  dem
System  des  Unterrichtswesens  der  Gegenwart  auszufüllen  und  dazu  mitzuwirken,  die
in  nur  zu  vielen  Fällen  noch  bestehende  Kluft  zwischen  Bildung  und  Besitz  überbrücken
3u  helfen  und  in  diesem  Sinne  einem  Bedürfnis  aller  Kulturstaaten  der  Gegenwart  zu
entsprechen,  wird  wie  alles  Neue  seine  Verwirklichung  nur  nach  harten  Kämpfen  mit
den  im  Bestehenden  wurzelnden  einseitigen  Anschauungen  finden  können."
Mevissen  ließ  trotz  der  zutage  tretenden  Gleichgültigkeit  seinen  Plan  keinen
Augenblick  fallen.  Im  Herbste  1893  trat  er  mit  E.  G  o  t  h  e  i  n,  der  damals  als  Provisor ­
  der  Nationalökonomie  in  Bonn  tätig  war,  in  Verbindung,  um  über  die
Aussicht  baldiger  Verwirklichung  seines  Handelshochschulplans  Klarheit  zu  gewinnen.
Äm  März  1894  schien  es,  als  ob  die  Provinzialverwaltung  das  Patronat  der  rheinischen ­
  Handelshochschule  übernehmen  wollte,  aber  am  1.  Juli  lehnte  der  Provinziallandtag ­
  wider  Erwarten  jede  unmittelbare  Beteiligung  ab.  1897  griff  außerhalb  der
Aheinlande  der  Deutsche  Verband  für  das  kaufmännische  Unterrichtswesen  den  Gedanken ­
  auf;  er  bemühte  sich  für  die  Errichtung  einer  an  die  Universität  Leipzig
angegliederten  Handelshochschule.  Im  Herbst  1898  wurde  eine  ähnliche  Anstalt,  wenn
auch  in  bescheidenerem  Maße,  in  Anlehnung  an  die  Aachener  Technische  Hochschule,
geschaffen,  die  sich  aber  nicht  dauernd  halten  ließ.
So  rückte  der  Moment,  wo  die  von  Mevissen  geplante,  selbständig  neben
Universität  und  technischer  Hochschule  wirkende  Handelshochschule  in  Köln  ins  Leben
treten  konnte,  zusehends  näher.  Seit  im  Jahre  1899  in  Frankfurt  der  Plan  einer
dort  zu  gründenden  Handelsakademie  lebendig  wurde  und  im  Jahre  1900  ähnliche
stläne  in  Berlin,  Hamburg  und  Düsseldorf  auftauchten,  ging  das  Kölner  Projekt  schnell
der  Verwirklichung  entgegen.  Im  Mai  1900  arbeitete  E.  Gothein  in  Anlehnung  an
we  Denkschrift  Mevissens  aus  dem  Jahre  1879  den  Plan  aus,  der  der  Anstalt  zugrunde
gelegt  wurde.  Durch  Mevissens  Testament  und  durch  das  seiner  Gattin,  die  ihm  am
10-  November  1901  in  den  Tod  folgte,  wurde  seine  Stiftung  für  die  Kölner  Handelshochschule ­
  auf  eine  Million  Jl  erhöht.
Noch  ehe  das  Stiftungskapital  die  bestimmungsgemäße  Höhe  von  einer
Million  Ji  erreicht  hatte,  konnte  zur  Eröffnung  der  Kölner  Hochschule  geschritten
werden,  dank  der  persönlichen  Initiative,  mit  der  sich  Oberbürgermeister
Becker  gegen  Anbruch  des  20.  Jahrhunderts  für  die  Verwirklichung  des  Gedankens
            
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