Full text : Volkswirtschaftliches Quellenbuch

2.  Die  Güter  des  Binnenschiffahrtsverkehrs  in  Deutschland.  565
Frankfurt  a.  M.,  die  Erze  des  Lahn-  und  Dillgebietes  teilweise  über  Oberlahnstein
auf  die  Rheinstraße.  Sie  treten  vollständig  hinter  den  ausländischen  (schwedischen
und  spanischen)  Erzen  zurück,  die  über  Emmerich  a.  Rhein,  den  Dortmund-Ems-Kanal
  und  Stettin  in  den  deutschen  Verkehr  übertreten.  Nennenswert  ist  auch  die
Zufuhr  französischer  Erze  nach  Lothringen  auf  dem  Rhein-Marne-Kanal.
Die  eben  genannten  Jndustriebezirke  verfrachten  auch  große  Mengen  Roheisen,
Eisen-  und  Stahlwaren  nebst  Maschinen  auf  den  gleichen  Wasserstraßen.  Dazu
kommt  Hamburg  als  Einfuhrhafen  für  dieselben  Güter.  Oberschlesien  bezieht  größere
Mengen  Zinkerze  über  Stettin  auf  der  Oder.
Landwirtschaftliche  Güter.  Die  Erzeugnisse  der  Landwirtschaft,
der  Müllerei  und  der  landwirtschaftlichen  Industrien  (Zucker,  Stärke,  Spiritus)
stehen  unter  den  Frachtgütern  auf  Binnengewässern  an  4.  Stelle  mit  einem  Anteil
von  Vs  der  Gesamtfrachten.  Bei  dem  Getreide  handelt  es  sich  hauptsächlich  um
Einfuhr,  namentlich  von  Weizen,  Mais  und  Reis.  Von  Hamburg  gehen  große
Mengen  von  Getreide  nach  den  Elbstädten,  den  märkischen  Wasserstraßen  und
Sachsen.  Geringer  ist  die  Bedeutung  Bremens  und  Stettins.  Auch  Königsbergs  und
Danzigs  Getreideverfrachtungen  auf  Binnengewässern  dürfen  nicht  überschätzt  werden.
Die  größte  Bedeutung  als  Getreidezufuhrweg  fällt  aber  dem  Rheine  zu;  hier  handelt
es  sich  um  die  Versorgung  des  volkreichen  Jndustriebezirks  am  Niederrhein  (Duisburg-Ruhrort)
  und  Süddeutschlands  (Mannheim-Ludwigshafen).  Vergleicht  man  die
Weizeneinfuhr  bei  Emmerich  mit  der  Gesamteinfuhr  nach  Deutschland,  so  ergibt  sich
ein  Verhältnis  von  3  zu  4;  allerdings  enthalten  die  Rheinfrachten  auch  Weizen  aus
deutschen  Seestädten;  aber  Mannheim  allein  empfängt  1 U  der  ganzen  deutschen
Weizeneinfuhr  (hier  großartige  Müllerei).  Bemerkenswert  ist  auch  die  österreichische
Maiseinfuhr  über  Passau  auf  der  Donau.  —  Außer  fremdem  Getreide  wird  aber
auch  viel  deutsches  Korn  auf  Binnenwasserstraßen  verfrachtet;  zu  beachten  ist  die
Bedeutung  Breslaus  in  diesem  Verkehr.
Zucker  wird  hauptsächlich  aus  den  Elb-  und  Odergegenden  nach  Hamburg
verfrachtet  (Hauptmarkt:  Magdeburg).  Dieser  Seehafen  empfängt  jährlich  rund
1  Million  Tonnen  Zucker  zur  Weiterbeförderung  über  See.  Auch  im  Warthe-  und
Weichselverkehr  spielt  Zucker  als  Frachtgut  eine  Rolle.  Hier  benutzt  die  Landwirtschaft
auch  vielfach  den  Fluß  zur  Beförderung  von  Zuckerrüben  nach  den  Fabriken.
Ausländische  Ölsaaten  werden  von  den  Seestädten  aus  auf  Binnengewässern
an  die  Fabriken  herangebracht,  Ölkuchen  (Futtermittel)  der  Landwirtschaft  zugeführt.
Holz.  Holz,  Möbel  und  Holzwaren  sind  für  den  Verkehr  aus  deutschen
Binnengewässern  von  großer  Bedeutung  und  mit  ungefähr  1V 2  %  am  Gesamtverkehr
beteiligt.  —  Holz  wird  entweder  geflößt  oder  in  Schiffen  verfrachtet.  In  der
Flößerei  kommen  die  kleinen  ungeregelten  Flüsse  als  Abfuhrwege  der  Waldgebiete
(wilde  Flößerei),  die  größeren  Flüsse  als  weitreichende  Frachtstraßen  in  Betracht.
Am  bedeutendsten  sind  hierfür  die  östlichen  Wasserstraßen  mit  ihrer  Verbindung  nach
Brandenburg  und  darüber  hinaus  nach  Magdeburg  und  Hamburg.  Auf  der  Memel
und  Weichsel  werden  sehr  große  Massen  russischen  Holzes  eingeführt  und  nach  Memel,
Königsberg  und  Danzig  verfrachtet.  Nach  Königsberg  gelangen  außerdem  zahlreiche ­
  Flöße  aus  den  ostpreußischen  Waldungen.  Die  Hauptmenge  der  auf  der
Weichsel  ankommenden  russischen  Flöße  schlägt  aber  den  Weg  durch  den  Bromberger
Kanal  nach  dem  Odergebiete  und  den  märkischen  Wasserstraßen  ein.  Ein  Teil  zweigt
nach  Stettin  ab;  von  dort  und  aus  Schlesien  erreichen  ebenfalls  bedeutende  Schiffsladungen ­
  die  Reichshauptstadt.  —  Auf  der  Elbe  werden  beträchtliche  Mengen  böhmischen ­
  Holzes  zu  Tal  geführt;  der  Verkehr  wird  stromab  bis  Magdeburg  immer  geringer ­
  und  hier  nur  durch  die  unbedeutende  Saaleflößerei  unterstützt.  Von  rechts
erfolgen  Zufuhren  aus  den  märkischen  Wasserstraßen  und  dem  Elbe-Trave-Kanal.
            
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