Die gegenwärtige Lage der liberalen Schule
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würden sie auf ein Mindestmaß reduziert, „welches nur mehr
in der zur Gewährleistung der Sicherheit im Innern notwendigen
Polizeimacht und in einem zur internationalen Heeresmacht
gestellten Kontingent bestehen würde. Diese Macht hätte
zur Aufgabe, jede Nation, ob zivilisiert oder nicht, zu verhindern,
den Frieden zu brechen. Da nun der Krieg in der Gemeinschaft
der Kulturvölker verboten wäre, wie er es zwischen
Individuen einer Volksgemeinschaft ist, würden die Zwistigkeiten,
welche unter den Staaten entständen, durch Schiedssprüche,
oder durch von der Liga eingesetzte und anerkannte
Gerichtshöfe, deren Urteilssprüche durch das Ligaheer in
Vollzug gesetzt werden könnten, geregelt. Diese Friedensversicherung
würde der Kulturwelt alle äußere Sicherheit verschaffen,
deren sie gegenüber dem, was von der unzivilisierten
Welt bleibt, bedarf, und würde die Kosten ihres Verteidigungsapparates
um wenigstens neun Zehntel verringern, sowie ihr
die Schäden innerer Kämpfe ersparen, welche, nachdem sie
nützlich gewesen waren, schädlich geworden sind“ 1 ).
3. Vereinfachung des Staates. „Der Staat war ursprünglich
und ist noch in erster Linie ein Versicherungunternehmen zum
Schutze von Leben und Eigentum. Das ist seine natürliche
Funktion und das ihm eigentümliche Gewerbe, ob es nun von
einer Gesellschaft, einer Kaste oder einer Dynastie, wie unterm
ancien régime, oder von den Sicherheitskonsumenten selbst,
wie heute, ausgeübt wird 2 ). . . .“ So lange der Staat eine
Festung war, die beständig belagert wurde, oder in Gefahr war,
es zu werden, mußte man möglichst alles im Innern produzieren,
zahlte aber auch mehr dafür, was eine Sicherheitsprämie
bedeutete. So war es zur Zeit des Kriegszustandes. Dieses
wird heute, dem Gesetz der Kraftersparnis zum Trotz, ungerechtfertigterweise
verlängert. „Den Staat vereinfachen, die
Regierungen auf die Rolle von Sicherheitsproduzenten reduzieren,
indem man ihnen alle Attributionen und Funktionen
x ) ibid. p. 392—393. Vgl. hierzu auch G. de Molinari, Morale économique,
Paris 1888, Anhang: Projet d’association pour l’établissement d’une ligue
des Neutres und G. de Molinari, Questions d'économie politique et de droit
public, Paris 1861, Bd. II, p. 273 ff.
2 ) Molinari, loc. cit. p. 361.