Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

Die  Gruppe  der  Historiker

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anregenden  und  überraschenden  Gegenüberstellungen  manchen
Einblick  in  pikante  Verhältnisse  für  den  Leser  recht  lehrreich
zu  gestalten.  Insbesondere  richtet  d’Avenel  sein  Augenmerk
darauf,  die  technische  und  wirtschaftliche  Konzentration  der
letzten  drei  bis  vier  Dezennien  deutlich  zu  veranschaulichen.
Ob  sein  Material  immer  wissenschaftlich  einwandfrei  zustande
kam,  mag  dahingestellt  bleiben.
André  Liesse,  Professor  der  Nationalökonomie  am  Conservatoire ­
  des  Arts  et  Métiers,  hat  als  volkswirtschaftlicher  Redakteur ­
  des  Journal  des  Débats  den  exponiertesten  Posten  der
liberalen  Schule  inne.  Dort  kämpft  er  Tag  für  Tag  gegen
Sozialismus,  Protektionismus  und  jeglichen  Interventionismus.
Seine  grundsätzlichen  Anschauungen  sind  streng  orthodox;
darum  wurde  er  denn  auch  für  würdig  befunden,  die  meisten
Artikel  des  Nouveau  Dictionnaire  d’Economie  politique,  welche
grundlegende  Fragen  der  Nationalökonomie  behandeln,  zu  verfassen ­
 1 ).  Methodologisch  schließt  sich  Liesse  jedoch  Auguste
Comte  und  Stuart  Mül  an.
Als  Comtist  faßt  er  die  Nationalökonomie  auf  als  einen
Teil  der  Sozial  Wissenschaft  oder  Soziologie.  „Diese  hat  zum
Gegenstand  das  Studium  der  Naturgesetze,  welche  die  Entwicklung ­
  der  menschlichen  Gesellschaften  regieren  und  folglich  das
Studium  der  gesamten  menschlichen  Tätigkeit 2 ).  Die  Soziologie
ist  allerdings  noch  nicht  definitiv  konstituiert,  aber  die  Nationalökonomie ­
  kann  schon  als  deren  hauptsächlichste  Teil  Wissenschaft ­
  angesehen  werden.  Die  Grundlagen  der  Nationalökonomie
sind  die  Physiologie  und  die  Psychologie  ;  die  Physiologie,  weil
die  Anstrengung  oder  Arbeit  eine  physiologische  Erscheinung
ist;  die  Psychologie,  weil  das  allgemeine  Grundgesetz  des
Lebens,  das  Gesetz  des  kleinsten  Mittels,  ein  psychologisches
ist.  Die  „richtige“  Methode  in  der  Nationalökonomie  ist  nicht

1)  Außer  diesen  Artikeln  und  seiner  regelmäßigen,  volkswirtschaftlichen
Chronik  im  Journal  des  Débats,  veröffentlichte  er:  Le  Travail  aux  points  de  vue
scientifique,  industriel  et  social,  Paris,  1899.  —  La  Statistique,  ses  difficultés,
ses  procédés,  ses  résultats,  Paris,  1905.  —  Portraits  de  Financiers,  Paris,  1908.
—  Außerdem  hat  er  die  8.  und  9.  Auflage  von  Courcelle-Seneuil,  Les  Opérations
de  Banque,  Paris,  1899  und  1905,  bearbeitet.
2)  A.  Liesse,  Art.  Méthode  in  :  Dictionnaire  d’économie  politique,  Bd.  II,
p.  258.  Vgl.  Art.  Sociologie,  ibid.  p.  889  ff.
de  Waha,  Die  Nationalökonomie  in  Frankreich.

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