Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

Die  Nichtinterventionisten

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eine  selbständige,  von  Moral  und  Religion  unabhängige  Wissenschaft. ­
  Das  katholische  Sittengesetz  als  Prinzip  des  wirtschaftlichen ­
  Handelns  verweist  er  in  die  Yolks  Wirtschaftspolitik.  Périn
dagegen  nimmt  das  katholische  Sittengesetz  zum  Ausgangspunkt
und  baut  auf  dieses  seine  Wirtschaftstheorie  auf,  dabei  Materielles ­
  und  Ethisches,  Seiendes  und  Seinsollendes  bunt  durcheinander ­
  mengend.  Die  Prinzipien,  lehrt  Périn,  d.  h.  die
höheren  und  allgemeinen  Wahrheiten,  welche  der  Wissenschaft
zugrunde  liegen,  folgen  entweder  aus  den  sittlichen  Begriffen,
die  das  Menschenleben  beherrschen,  oder  aus  den  durch  Beobachtung ­
  erkannten  Tatsachen.  Die  Beobachtung  und  Beurteilung ­
  der  Tatsachen  ist  aber  bei  Périn  immer  von  den
a  priori  gegebenen,  ethischen  Prinzipien  beherrscht.
Das  Gebiet  der  Nationalökonomie,  meint  er,  befindet  sich
auf  der  Grenze  zwischen  der  Welt  des  Geistes  und  derjenigen
der  Materie.  Die  Nationalökonomie  hat  also  zugleich  die  Gesetze
zu  erforschen,  welche  die  sittliche  Welt  beherrschen,  sowie
jene,  welche  die  materielle  Welt  regieren.  Der  Zweck  der
Nationalökonomie  ist  ein  praktischer  :  das  größtmögliche  Wohlergehen ­
  der  in  Gesellschaft  lebenden  Menschen  zu  sichern  und
zwar  unter  Umständen,  in  denen  die  materiellen  Güter  zur  Erreichung ­
  des  wesentlich  in  der  sittlichen,  nicht  in  der  materiellen
Ordnung  liegenden  Zieles  des  menschlichen  Lebens  dienen
können.  „Im  wirtschaftlichen  Handeln  der  Menschen  hängt
alles  vom  Sittengesetz  ab,  weil  die  Arbeit  naturgemäß  eine  sittliche ­
  Kraft  ist.  Wir  müssen  darum  die  Lösung  der  wirtschaftlichen ­
  Fragen  in  erster  Linie  von  den  Lehren  und  Prinzipien
der  sittlichen  Ordnung  erfragen.  Das  ist  das  Hauptmerkmal
der  wahren  Methode  der  Volkswirtschaftslehre“  *).  Das  Ziel,
das  sich  der  Mensch  legitimer  Weise  in  der  wirtschaftlichen
Ordnung  setzen  kann,  ist  an  zwei  Bedingungen  gebunden  :
1.  daß  er  sein  ganzes  Tun  und  Lassen  dem  Sittengesetz  unterordne; ­
  2.  daß  er  in  den  vom  Sittengesetz  gezogenen  Grenzen
alle  Kräfte,  alle  Brauchbarkeiten,  die  ihre  Außenwelt  der  Arbeit
zu  bieten  vermag,  in  Tätigkeit  setze.
Das  christliche  Sittengesetz,  die  Triebfeder  alles  wirtschaftb

  Ch.  Périn,  Premiers  Principes  ¿'Economie  Politique.  2.  Ausi.,  Paris,
1895,  p.  3.
de  Waha,  Die  Nationalökonomie  in  Frankreich,

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