Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

Die  Nichtinterventionisten

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ab  von  dessen  Fähigkeit  zur  Assoziation.  Diese  verlangt  zwei
Dinge:  Energie  des  individuellen  Wollens  und  Leichtigkeit,  sich
fremdem  Willen  zu  beugen.  Beides  wird  nur  durch  die  Übung
der  Entsagung  erworben.  Die  Entsagung  verhindert  schrankenlose ­
  Konkurrenz  und  Überproduktion.  Sie  gibt  den  Geschmack
am  Stilleben,  fördert  damit  den  Ackerbau  und  wirkt  dem  Prozeß
der  Industrialisierung  entgegen.
Die  Leichtigkeit  des  Tausches  beruht  hauptsächlich  auf
dem  Kredit.  Dieser  ist  das  Resultat  von  Gewohnheiten  der  Ehrlichkeit ­
  und  Moralität,  welche  dem  Geiste  der  Entsagung  entspringen. ­
  Die  Entsagung  und  der  Opfersinn  triumphieren
über  die  Hindernisse  des  Verkehrs  und  fördern  die  allseitige
Annäherung  der  Völker.  Daher  wohnt  ihnen  eine  Tendenz  zum
Freihandel  inne.  Der  Geist  der  Entsagung  hindert  die  Überbevölkerung; ­
  er  hilft  gegen  den  Alkoholismus  und  alle  Schäden
der  Industrialisierung.
Die  hauptsächlichsten  Kräfte  des  Wirtschaftslebens,  welche
die  Entsagung  auslöst,  sind  Arbeit  und  christliche  Nächstenliebe.
Diesen  beiden  Kräften  entsprechen  die  Betätigung  von  Assoziation, ­
  auf  Seite  der  Arbeiter,  und  Patronage,  auf  Seite  der  Arbeitgeber. ­
  Assoziation  und  Patronage  sind  wirtschaftliche  Harmonien  ;
sie  sind  imstande,  die  Wirtschaftsordnung  umzugestalten.  Unter
dieser  Umgestaltung  der  Wirtschaftsordnung  versteht  Per  in
keineswegs  eine  Änderung  der  Grundlagen  derselben;  er  hält
grundsätzlich  fest  an  der  bestehenden  Eigentumsordnung  und
an  dem  Individualismus  und  Nichtinterventionismus  der  klassischen ­
  Schule,  obwohl  er  diese  selbst  leidenschaftlich  bekämpft.
Er  bekennt  sich  zu  Ricardos  Rentenlehre  in  ihrer  ursprünglichen ­
  Reinheit  und  zu  Malthus’  Bevölkerungsgesetz,  welches
er  als  Argument  zugunsten  des  Priesterzölibats  der  katholischen
Kirche  verwertet 1 ).  Seine  Staatsauffassung  ist  die  des  Rechtsnicht
  des  Wohlfahrtstaates 2 ).  Was  ihn  aber  von  der  klassischen
1)  Vgl.  J.  Bambaud,  Histoire  des  Doctrines  Economiques,  2.  Ausi.,  1902.
p.  455—456.
2 )  Gewiß  äußert  Périn  manchmal,  die  Mißbräuche  der  Freiheit  bedürften
staatlicher  Repression  (z.  B.  Le  Socialisme  Chrétien,  p.  32)  ;  aber  welcher  Anhänger ­
  des  französischen  Klassizismus  schreibt  das  nicht?  Die  Grundstimmung
bei  Périn  ist  eine  nichtinterventionistische,  staatsfeindliche.  Die  Intervention  der
katholischen  Kirche  ruft  er  allerdings  mit  der  ganzen  Kraft  seines  leidenschaftlichen ­
  Temperaments  herbei.  Vgl.  M.  EbU,  loc.  eit.  p.  69  ff.,  p.  102.
            
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