Fünftes Kapitel.
Nicht jeder Arbeitsgegenstand ist Rohmaterial. Rohmaterial ist der
Arbeitsgegenstand nur, sobald er bereits eine durch Arbeit ver-
Mittelte Veränderung erfahren hat.
Das Arbeitsmittel ist ein Ding oder ein Komplex [eine Zu-
‘ammenfassung] von Dingen, die der Arbeiter zwischen sich und den
Arbeitsgegenstand schiebt und die ihm als Leiter seiner Tätigkeit auf
diesen Gegenstand dienen. Er benutzt die mechanischen, physikali-
Schen, chemischen Eigenschaften der Dinge, um sie als Machtmitte]l
AUf andere Dinge, seinem Zweck gemäß, wirken zu lassen.? Der Gegen-
Sand, dessen sich der Arbeiter unmittelbar bemächtigt — abgesehen
Von der Ergreifung fertiger Lebensmittel, der Früchte zum Beispiel,
YObei seine eigenen Leibesorgane allein als Arbeitsmittel dienen —,
Sl nicht der Arbeitsgegenstand, sondern das Arbeitsmittel. So ver-
Vändelt er Dinge seiner Umwelt in Organe seiner Tätigkeit, Organe,
die er seinen eigenen Leibesorganen hinzufügt, seine natürliche ‚Ge-
Salt Verlängernd, trotz der Bibel. Wie die Erde seine ursprüngliche
Proviantkammer, ist sie sein ursprüngliches Arsenal von Arbeits-
Mitteln, Sie liefert ihm zum Beispiel den Stein, womit er wirft,
Teibt, drückt, schneidet usw. Die Erde selbst wird ein Arbeitsmittel,
Setzt jedoch zu ihrem Dienst als Arbeitsmittel in der Agrikultur
Wieder eine ganze Reihe anderer Arbeitsmittel und eine schon
Telativ hohe Entwicklung der Arbeitskraft voraus.* Sobald über-
aupt der Arbeitsprozeß nur einigermaßen entwickelt ist, bedarf
> bereits bearbeiteter Arbeitsmittel. In den ältesten Menschen-
höhlen finden wir Steinwerkzeuge und Steinwaffen. Neben bear-
Deitetem Stein, Holz, Knochen und Muscheln spielt im Anfang der
Menschengeschichte das gezähmte, also selbst schon durch Arbeit
eCTänderte, gezüchtete Tier die Hauptrolle als Arbeitsmittel.‘ Der
Gebrauch und die Schöpfung von Arbeitsmitteln, obgleich im Keim
schon gewissen Tierarten eigen, charakterisieren den spezifisch
v®hschlichen Arbeitsprozeß, und Franklin definiert daher den
Menschen als „a toolmaking animal“, ein Werkzeuge fabrizierendes
ter, Dieselbe Wichtigkeit, welche der Bau von Knochenreliauien
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* »Die Vernunft ist ebenso listig als mächtig. Die List besteht über-
Saupt in der vermittelnden Tätigkeit, welche, indem sie die Objekte ihrer
1x S Ren Natur gemäß aufeinander einwirken und sich aneinander abarbeiten
nn Ohne sich unmittelbar in diesen Prozeß einzumischen, gleichwohl nur
Di. © Zweck zur Ausführung bringt.“ (Hegel: „Enzyklopädie. Erster Teil.
'® Logik. Berlin 1840“, S. 882.) | , , N .
18 «In der sonst elenden Schrift: „Theorie de V’Economie Politique. Paris
A ‘, zählt Ganilh den Physiokraten gegenüber treffend die große Reihe von
bir itSprozessen auf, welche die Voraussetzung der eigentlichen Agrikultur
en
i istributi ichesses“
In d i la Formation et la Distribution des Ric
(766) , Oeuwree a0 Daire, vol. I [Uebersetzung von V, Dorn unter dem
Titel: „Betrachtungen über die Bildung und die Verteilung des Reichtums‘,
12a 19087, entwickelt Turgot gut die Wichtigkeit des gezähmten Tieres für
'e Anfänge der Kuhur.