Allgemeine Y olkswirtseh as tslehre
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worben wird. Auch der Ertrag von Grund und Boden ist nur
Einkommen von Arbeit und Kapital, die in ihm aufgespeichert
wurden. Darum ist auch Ricardos Rententheorie entschieden
zu verwerfen. In der Arbeit liegt der Grund zur Berechtigung
des Eigentums. Dieses ist keineswegs eine Schöpfung des
positiven Rechts. Es ist keine historische Kategorie. Die posi
tiven Gesetze können es organisieren, schützen, gewährleisten;
sie sind aber nicht dessen Quelle. Das Eigentum ist eine natur
rechtliche Institution. Es trägt das Prinzip seiner Rechtmäßig
keit in sich und dieses Prinzip ist, daß es Arbeitsprodukt ist*).
Neben diesen rationalistischen Elementen enthält Cauwès ’
Eigentumslehre auch christlich-feudale und modern-sozialpoli
tische. „Behaupten,“ schreibt er, „daß das aus der Arbeit hervor
gegangene Eigentum ein Recht und keine Funktion ist, das
heißt eine juristische Wahrheit aussprechen, die Regel des forum
externum ; es ist aber nicht übertrieben, das Eigentum als wirk
liche Delegation anzusehen, für die man Gott im Gewissen ver
antwortlich ist“ 2 ). Andererseits erkennt Cauwès der Gesell
schaft das Recht zu, z. B. den unverdienten Wertzuwachs von
brach liegen gelassenen Bauterrains für sich in Anspruch zu
nehmen.
In der Wert\e,lire Cauwès’ ist der Zusammenhang ein
noch loserer. Sie ist verworren und durchaus inkonsequent.
Wie die Arbeit den Gutscharakter und das Eigentum erzeugt,
so auch den Wert. „Der Wert der Objekte des Eigentums hat
zur alleinigen Quelle die Arbeit 3 ).“ Nichtsdestoweniger hat er
auch das Urteil des Bedürfenden bezüglich des Brauchbar
keitsgrades eines Gutes, oder die Intensität des Begehrens,
oder die Seltenheit der vorhandenen Gütermenge, oder die
dem Käufer ersparte Arbeit zur Quelle. Wie reimt sich das
zusammen? Gebrauchs- und Tauschwert unterscheidend, defi
niert Cauwès erstem mit Böhm-Bawerk als das Urteil, das
jeder von uns über den Grad der Brauchbarkeit der Dinge
fällt. Wie aber dieses Urteil ausfalle, dessen objektive Grund
lage, die Brauchbarkeit der Dinge, ist immer Arbeitsprodukt.
] ) Cauwès, loe. eit. B. I, p. 260 ff., Bd. Ill, p. 342 ff.
2 ) ibid. Bd. IH, p. 374.
3 ) ibid. Bd. ni, p. 348.