Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

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Der  Interventionismus  an  den  Universitäten

politische  Gesetzgebung  —  insbesondere  Frankreichs  —  ausgiebig ­
  berücksichtigt.  Neuerdings  geht  er  so  weit,  daß  er  am
liebsten  die  Wertlehre  und  alle  theoretischen  Erörterungen  aus
der  Nationalökonomie  verbannen  möchte.  Diese  sollte  sich,
seiner  Ansicht  nach,  darauf  beschränken,  ein  auf  historischer
und  realistischer  Beobachtung  fußender  Kommentar  der  wirtschaftspolitischen ­
  Gesetzgebung  zu  sein  *).  Die  auszuschaltenden
theoretischen  Elemente  könnten  vorteilhaft  durch  eine  größere
Berücksichtigung  der  Entwicklung  der  Technik  ersetzt  werden.
Gauwes  hat  in  seinen  Vorlesungen  der  letzten  Jahre  die  Fortschritte ­
  der  Technik  auf  verschiedenen  Gebieten  und  deren  gemeinwirtschaftliche ­
  Bedeutung  weitgehend  mit  einbezogen.
Die  Abneigung  gegen  den  Doktrinarismus  der  klassischen
Schule  hält  Gauwès  nicht  davon  ab,  ihm  seine  Anschauungen
über  Eigentum  und  Wert  zum  großen  Teile  zu  entnehmen.  Wir
finden  hier  Anlehen  aus  den  Naturrechtslehrern  und  aus  Courcelle-Seneuil,
  aus  Ad.  Smith,  Ricardo  und  Bastiat,  nebst  einem  österreichischen ­
  Einschlag  (Böhm-Bawerk).  Es  ist  jedoch  zu  beachten,
daß  die  hierauf  bezüglichen  Gedankengänge  Cauwès’  zu  einem
definitiven  Abschluß  bis  heute  noch  nicht  gelangt  sind.  Wenn
er  das  Wertproblem  aus  der  Wirtschaftswissenschaft  hinausschaffen ­
  möchte,  so  ist  es  vielleicht  auch  mit  deswegen,  weil
er  eine  ihn  befriedigende  Lösung  desselben  immer  noch  nicht
zu  finden  vermag.
Die  Produktion  der  Güter,  sagt  Gauwès,  setzt  als  erste
Handlung  die  Aneignung  voraus.  Die  Aneignung  aber  ist  Arbeit.
In  ihr  liegt  der  Grund  zur  Entstehung  des  Gutscharakters.
Dieser  besteht  nämlich  in  der  Brauchbarkeit  eines  Dinges;
brauchbar  wird  aber  ein  Ding  nur  durch  Aneignung  oder  Arbeit.
Freie  Güter  gibt  es  nicht.  Wie  Güter  oder  Brauchbarkeiten
nur  durch  Arbeit  entstehen,  so  auch  das  Eigentum.  Arbeit  und
nur  Arbeit  ist  das  einzige  Mittel,  durch  welches  Eigentum  eri)

  Die  Wertschätzung  der  Rechtswissenschaft  äußert  sich  bei  Gauwès
unter  anderem  auch  darin,  daß  ihm  die  1895  in  Frankreich  verwirklichte  Spaltung ­
  des  juristischen  Doktorats  in  ein  doctorat  en  droit  ès-sciences  juridiques
und  ein  doctorat  en  droit  ès-sciences  politiques  et  économiques  ein  Greuel  ist.
Er  sagt  nämlich,  sie  ermögliche  es,  Leuten,  welche  Gott  weiß  wie  durch  das  juristische ­
  Lizentiat  geschlüpft  sind,  docteurs  en  droit  zu  werden,  ohne  je  ordentliche ­
  Rechtskenntnisse  erworben  zu  haben.
            
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