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5. Kap. Fortschritt in der Productionsmethode.
Pfühls in Zeiten stattgefunden hat, in welchen keine technische Revolution
sich vollzog, welche dafür verantwortlich gemacht werden könnte, und daß eä
für die ärmern Klaffen denn doch keinen ausschlaggebenden Werth besitzt,
wie die Gestalt ihrer Hausgeräthe beschaffen oder welches die Farbe ihrer
Kleidungsstücke ist. Es ist von unendlich größerer Bedelltung für dieselben,
daß sie ihren gesicherten anskömmlichen Erwerb besitzen und eines von wahrer
Frömmigkeit getragenen und durch gegenseitige Zuneigung und liebende Für
sorge verschönerten Familienlebens genießen K
Ferner muß man mit den infolge der technischen Verbesserungen er
zielten Vortheilen die Verluste in Vergleich bringen, welche sich allerdings nur
zeitweilig daraus ergeben, daß gewiffe Besitzthümer an Werth verlieren, und
daß sich gewisse Fähigkeiten der neuen Productionsmethode nur schwer an
paffen lassen. Je werthvoller diese Besitzthümer und je specieller entwickelt diese
Fähigkeiten sind, desto größer sind die Verluste. In wie vielen Gewerbs-
zweigen haben die gelernten Handwerker ihren Verdienst verloren! Aber das
furchtbare Elend, welches vielfach die Folge davon war, der wirtschaftliche Ruin,
welcher z. B. über die Handweber in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts
>n England und Indien hereinbrach, kann nicht als nothwendige Folge der
Umwälzung in der Productionsmethode, die sich in diesen Ländern vollzog.
.'/à '"knig man den Aufschwung der industriellen Massenproduction und die
ästhetische Gestalt der Erzeugnisse in zu engen Zusammenhang bringen darf, dafür
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ai^ülT" 9 !!' àrd man da nicht zu dem Urtheile gelangen, daß die Mand
ril^« m Un *L C£i . r k tcr, f hinter den Leistungen des Hofzimmermalers Kaiser Hein
um rm « m< ^ ^"t zurücksteht! Aehnliches gilt von den einfachen Kattunen und
Wollstoffen, in die sich die Frauen des Volkes heutzutage kleiden. Mögen sie oft an
^o i i a zu wünschen übrig lassen, ihre eingewobenen oder ausgedruckten Muster können
ich ganz gut neben denjenigen sehen lassen, die wir auf alten kostbaren Stoffen deü
rnhern Mittelalters wahrnehmen, z. B. neben denjenigen, die sich in den kunst- und
b^^ìî^ìKkschichtlichen Aluseen, im Nationalmnseum zu München, im Hotel Cluny
zu Paris und anderwärts finden. Es ist auffallend, daß die Baukunst, und zum Theil
auch die decorative Bildhauerarbeit, soweit es sich nicht um menschliche Formen handelt,
lu jenen fernen Zeiten verhältnißmäßig weit höher stand als die Kunstindustrie. Man
"sieht daraus, wie wenig allgemeine Urtheile auch in dieser Hinsicht am Platze sind
besseres Arbeiterzimmer des 19. Jahrhunderts ist im Vergleich selbst mit den
àhnräumen der kleinern Bürger des frühern Mittelalters fast immer ein glänzendes
Prunkgemach.