Allgemeine Yolkswirtsch aftslehre
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schutzgeseizgebung und der obligatorischen Sozialversicherung notwendig.
Letztere wird sich möglicherweise auf Kosten der
Militärausgaben entwickeln. Die natürliche Entwicklung der
Dinge erheischt eine Förderung der Konzentrations- und Föderationsbestrebungen
durch die Gesetzgebung 1 ). Die Lohnarbeit
wii’d in der Wirtschaftsordnung, zu der uns die historische Entwicklung
trägt, nicht beseitigt werden, sondern eine nie dagewesene
Ausdehnung erhalten. Kapitalismus, Genossenschaften,
Staats- und Kommunalsozialismus erweitern beständig deren
Feld. Das Arbeiterproletariat aber und der Klassenkampf werden
verschwinden 2 ). In den genossenschaftlichen Organisationen
*) So werden die Rechte der Berufsvereine gesetzlich abgegrenzt und
ihre Patrimonia gesetzlich sicher gestellt werden ; es werden Interessevertretungen
der in Berufsvereinen Organisierten mit Befugnissen bezüglich bindender Regelung
der Arbeitsbedingungen und der Gewerbeinspektion ausgerüstet werden,
ibid. p. 865.
2 ) Mit der Lohnarbeit ist die Eigenschaft als Proletarier keineswegs notwendig
verbunden. Diese folgt aus ungenügendem Lohn, Unsicherheit der
Existenz, Abhängigkeit vom Arbeitgeber. Alle drei Ursachen verschwinden
progressiv. Damit speziell die Lohnarbeit aufhöre, das Proletariat zu erzeugen,
muß sie allerdings einige tiefgreifende Änderungen erfahren. Diese haben
bereits eingesetzt. Es sind: 1. Steigen der Löhne. Die steigende Bewegung der
Löhne, welche schon mehrere Jahrzehnte andauert, wird in der Zukunft eine
raschere sein, weil deren Ursachen mit zunehmender Kraft wirken werden.
Durch wissenschaftliche Entdeckungen und Verbreitung technischer Kenntnisse
wird die Produktivität der Arbeit in Ackerbau und Industrie wachsen. Damit
Hand in Hand steigen die Löhne und die Produkte werden billiger. In allen
Ländern, welche nicht ausnahmsweise Lasten zu tragen haben, haben die Fortschritte
der Produktion und des Verkehrs die Produktionskosten selbst der
landwirtschaftlichen Erzeugnisse so sehr verringert, daß das Leben seit dreißig
Jahren trotz der steigenden Löhne billiger geworden ist. 2. Die Arbeit wird
zunehmend weniger mühsam, kürzer und weniger gefährlich. 3. Der Arbeitsvertrag
wird immer mehr die Spuren der frühern Unterwerfung des Arbeiters
unter den Arbeitgeber verlieren; seine Entwicklung liegt in der Richtung auf
genaue Abmessung der Dienste in kollektiven Arbeitsverträgen. 4. Die Sicherheit
der Existenz wird eine größere mit dem weitern Ausbau der Sozialversicherungsgesetze.
Allerdings bleiben noch als Proletariat bildende Kräfte die Arbeitslosigkeit,
das sweating system in der Hausindustrie und die Abwanderung
der Landarbeiter in die Städte. Letztere ist wesentlich ein Ubergangsstadium.
Was aber die beiden ersten betrifft, so ist Abhilfe gegen sie das große Problem
der Zukunft. Man darf jedoch zuversichtlich hoffen, daß das Erstarken der
Arbeiterorganisationen und die Fortbildung der staatlichen Schutzgesetzgebung
auch dieser großen Plagen der modernen Gesellschaft Herr werden. „Wenn