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Der Interventionismus an den Universitäten
seiner Hypothesen vorteilhaft ergänzt. Im Anschluß an Effertz
macht Landry auch von der mathematischen Methode: d. h.
von algebraischen Formeln, geometrischer Figuration und arith
metischer Beispielgebung häufig Gebrauch.
Die Tatsachenbeobachtung betrachtet Landry als ein
vorbereitendes Stadium der Nationalökonomie. Immerhin gibt er
zeitgenössischem Beobachtungsmaterial einen breiten Raum in
seinem Handbuch. Die Induktion aus den Tatsachen kann
nach seiner Ansicht nur geringe Resultate in der Volkswirt
schaftslehre geben, a) weil die wirtschaftlichen Erscheinungen
hochgradig komplex sind, b) weil der Volkswirt nicht experi
mentieren kann, c) weil die Nationalökonomie in ihren For
schungen immer auf menschliche Handlungen, die vom mensch
lichen Willen abhängen, kommen muß, d. h. auf Tatsachen
der innern Erfahrung, deren Verfolgung für die Induktion
schwieriger und langwieriger ist, als für die Deduktion ] ). Die
Deduktion ist nach Landry in der Wirtschaftswissenschaft be
sonders fruchtbar, hauptsächlich weil die wirtschaftlichen Er
scheinungen immer einen quantitativen Charakter haben und
meßbar sind. Es gibt keine wirtschaftliche Frage, die der De
duktion nicht zugänglich wäre. Wenn es wegen der Komplexität
der Erscheinungen unmöglich wird, induktiv zu einem Resultat
zu kommen, kann man es immer noch auf deduktivem Wege,
z. B. in der Frage nach den Erklärungsgründen des Zinses.
„Die Deduktion,“ schreibt Landry, „ermöglicht, die Probleme
der Wirtschaftswissenschaft vollständig zu lösen, die wirtschaft
lichen Erscheinungen in einer für den Geist vollkommen be
friedigenden Weise zu erklären. Vom Einfachen zum Zusammen
gesetzten vordringend, kann sie in ihre ersten Prämissen die
jenigen psychologischen Daten aufnehmen, welche die Trieb
federn des ganzen Wirtschaftslebens ausmachen; und die Tat
sachen, zu denen sie uns führt, indem sie von diesen Daten
ausgeht, werden dadurch vollkommen verständlich für uns“ 2 ).
Das von Landry jeweils angewandte Verfahren ist denn
auch ein abstrakt-deduktives, das von sehr einfachen Hypo
thesen ausgeht und diese progressiv kompliziert, um sich mög
lichst der konkreten Wirklichkeit zu nähern. Durch Beobach-
*) Ad. Landry, Manuel d’Economique, p. 45 fi.
2 ) ibid. p. 50.