Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

394

Der  Interventionismus  an  den  Universitäten

seiner  Hypothesen  vorteilhaft  ergänzt.  Im  Anschluß  an  Effertz
macht  Landry  auch  von  der  mathematischen  Methode:  d.  h.
von  algebraischen  Formeln,  geometrischer  Figuration  und  arithmetischer ­
  Beispielgebung  häufig  Gebrauch.
Die  Tatsachenbeobachtung  betrachtet  Landry  als  ein
vorbereitendes  Stadium  der  Nationalökonomie.  Immerhin  gibt  er
zeitgenössischem  Beobachtungsmaterial  einen  breiten  Raum  in
seinem  Handbuch.  Die  Induktion  aus  den  Tatsachen  kann
nach  seiner  Ansicht  nur  geringe  Resultate  in  der  Volkswirtschaftslehre ­
  geben,  a)  weil  die  wirtschaftlichen  Erscheinungen
hochgradig  komplex  sind,  b)  weil  der  Volkswirt  nicht  experimentieren ­
  kann,  c)  weil  die  Nationalökonomie  in  ihren  Forschungen ­
  immer  auf  menschliche  Handlungen,  die  vom  menschlichen ­
  Willen  abhängen,  kommen  muß,  d.  h.  auf  Tatsachen
der  innern  Erfahrung,  deren  Verfolgung  für  die  Induktion
schwieriger  und  langwieriger  ist,  als  für  die  Deduktion  ] ).  Die
Deduktion  ist  nach  Landry  in  der  Wirtschaftswissenschaft  besonders ­
  fruchtbar,  hauptsächlich  weil  die  wirtschaftlichen  Erscheinungen ­
  immer  einen  quantitativen  Charakter  haben  und
meßbar  sind.  Es  gibt  keine  wirtschaftliche  Frage,  die  der  Deduktion ­
  nicht  zugänglich  wäre.  Wenn  es  wegen  der  Komplexität
der  Erscheinungen  unmöglich  wird,  induktiv  zu  einem  Resultat
zu  kommen,  kann  man  es  immer  noch  auf  deduktivem  Wege,
z.  B.  in  der  Frage  nach  den  Erklärungsgründen  des  Zinses.
„Die  Deduktion,“  schreibt  Landry,  „ermöglicht,  die  Probleme
der  Wirtschaftswissenschaft  vollständig  zu  lösen,  die  wirtschaftlichen ­
  Erscheinungen  in  einer  für  den  Geist  vollkommen  befriedigenden ­
  Weise  zu  erklären.  Vom  Einfachen  zum  Zusammengesetzten ­
  vordringend,  kann  sie  in  ihre  ersten  Prämissen  diejenigen ­
  psychologischen  Daten  aufnehmen,  welche  die  Triebfedern ­
  des  ganzen  Wirtschaftslebens  ausmachen;  und  die  Tatsachen, ­
  zu  denen  sie  uns  führt,  indem  sie  von  diesen  Daten
ausgeht,  werden  dadurch  vollkommen  verständlich  für  uns“  2 ).
Das  von  Landry  jeweils  angewandte  Verfahren  ist  denn
auch  ein  abstrakt-deduktives,  das  von  sehr  einfachen  Hypothesen ­
  ausgeht  und  diese  progressiv  kompliziert,  um  sich  möglichst ­
  der  konkreten  Wirklichkeit  zu  nähern.  Durch  Beobach-*)
  Ad.  Landry,  Manuel  d’Economique,  p.  45  fi.
2 )  ibid.  p.  50.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.