Full text : Die Nationalökonomie in Frankreich

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Die  liberale  Schule

Forschung.  Er  ist  eifrig  bestrebt,  die  Ergebnisse  der  Deduktion
durch  die  Beobachtung  des  tatsächlichen  Verlaufs  der  Dinge  zu
kontrollieren.  P.  Rossi  übt  ein  klares,  gedrängtes,  juristisch
abstraktes  Räsonnement.  Den  Anschluß  an  die  Wirklichkeit
findet  er,  indem  er  die  Ergebnisse  der  exakten  Wissenschaft  den
jeweiligen  Anforderungen  der  nationalen,  zeitlichen  und  lokalen
Bedingungen,  sowie  den  Geboten  der  Moral  und  der  Politik
unterordnet.  Dun  oyer  dagegen  fällt  in  die  doktrinär  abstrakte
Art  der  Physiokraten  zurück,  ja  sein  rücksichtsloser  Systemgeist
führt  ihn  darin  weiter,  als  jene  gegangen  waren.  Er  beugt  das
wirkliche  Leben  unter  die  Konsequenz  seines  alles  beherrschenden ­
  Freiheitsbegriffes,  unter  das  Postulat  absolutester  Nichtintervention ­
  des  Staates  und  gibt  dem  Wirtschaftsleben  wieder
den  Charakter  eines  mechanisch-maschinellen  Getriebes  ').
In  der  Produktivitätslehre  ist  D  uno  y  er  dagegen  J.  B.  Say
unbedingt  voraus.  Er  greift  auf  Adam  Smith  zurück  und
argumentiert  :  „Die  Arbeit  ist  die  einzige  schöpferische  Kraft
aller  Brauchbarkeiten,  welche  wir  aus  den  Dingen  und  ihren
Eigenschaften  ziehen.“  Gewiß  gibt  es  Naturkräfte.  „Damit  diese
aber  produzieren,  muß  der  Mensch  sie  dazu  zwingen
Als  Produktionsagenten  schafft  sie  der  Mensch.“  Ihre  Mitwirkung ­
  beim  Produktionsprozeß  ist  die  alleinige  Quelle  aller
Werte 2 ).
Ferner  ist  D  uno  y  er  bestrebt,  Says  Theorie  der  immateriellen ­
  Güter,  welche  er  seiner  Klassifizierung  der  Gewerbe
zugrunde  legt,  in  dem  Sinne  fortzubilden,  daß  er  materielle
und  immaterielle  Güter  unterschiedslos  in  eine  allgemeine

b  Vgl.  hiezu  folgende  Stelle:  „Ist  der  Gegenstand  der  Nationalökonomie
empirisch  erforschbar?  Kann  er  z.  B.  ebenso  klar,  ebenso  kategorisch  erklärt
werden  als  diejenigen,  von  denen  die  Naturwissenschaften  handeln?  Ich  zweifle
nicht  daran.  Es  gibt  nicht  mehr  Wirkungen  ohne  Ursachen  in  der  Politik  als
in  der  Chemie  .  .  .  Die  Verkettung  von  Ursache  und  Wirkung  ist  gerade  so
gut  in  der  einen  wie  in  der  andern  zu  erkennen.  Es  kostet  mir  Mühe  zu
glauben,  daß  die  ethische  Erscheinung,  welche  ich  Freiheit  nenne,  sich  der
Analyse  mehr  entziehe,  als  die  Wärme.“  Die  geringere  Sicherheit  und  Präzision ­
  nationalökonomischer  Forschungsergebnisse  im  Vergleich  zu  denen  der
Naturwissenschaften  erklärt  Dunoyer  aus  dem  subjektiven  Defekt  des  Forschers.
De  la  Liberté  du  Travail,  Bd.  I,  p.  21.
2 )  Dunoyer,  loe.  cit.  Bd.  II,  p.  36—37.
            
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