Full text: Die Nationalökonomie in Frankreich

Die „positive“ Grundlegung der Nationalökonomie 
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alterlichen christlichen Zünfte lehrt, daß die Rolle der Korpo 
ration eher eine sittliche, denn eine ökonomische ist. Die Be 
rufsorganisation ist vor allem eine sittliche Macht, die fähig ist, 
den Egoismus der Individuen zu bändigen und im Zaume zu 
halten, sowie zu verhindern, daß das Gesetz des Stärkern sich 
in den gewerblichen und Handelsbeziehungen allzu brutal durch 
setze. Die Geschichte der frühern Korporationen lehrt ferner, 
daß die Rahmen der beruflichen Gruppen immer mit dem 
Rahmen des Wirtschaftslebens übereinstimmen müssen: die alte 
korporative Ordnung verschwand, weil sie ihre lokale Organisation 
nicht aufzugeben vermochte, als der Markt von einem lokalen 
zu einem nationalen und Weltmarkt wurde. Die Korporationen, 
deren wir heute benötigen, müssen alle Berufsangehörigen eines 
Volkes umfassen. Durkheim bleibt bei nationalen Korpo 
rationen stehen, weil der gegenwärtige Stand der Rechtsent 
wicklung internationalen Organisationen noch keine Sanktionen 
an die Hand geben würde. 
Die Beziehungen der Korporationen zum Staate dürfen 
nicht, wie es im XVII. und XVIII. Jahrhundert geschehen ist, zu 
einer engen Unterordnung jener unter diesen ausarten. Die 
beiden Organe müssen ein gegenseitig genau abgegrenztes Maß 
von Autonomie haben. Den gesetzgebenden Versammlungen 
des Staates liegt ob, die allgemeinen Grundsätze der gewerb 
lichen Gesetzgebung festzusetzen; an der Korporation ist es, 
diese im Detail auszubilden. 
Im Wesen der Korporation liegt es, daß sie sich nicht auf 
berufliche Reglementierung beschränke, sondern daß sie auch 
die Sozialversicherung ihrer Mitglieder in die Hand nehme, das 
gesellige Leben pflege usw. Ja, sie scheint berufen, eine der 
wichtigsten Grundlagen der politischen Organisation zu werden. 
Die geschichtliche Entwicklung lehrt, daß die Korporation, 
welche anfangs (Rom) außerhalb der politischen Ordnung stand, 
die Tendenz hat, sich dieser in dem Maße, als das Wirtschafts 
leben sich entwickelt, einzugliedern. Statt ein Aggregat von 
an einander gereihten territorialen Kreisen zu sein, scheint der 
Staat ein umfassendes System von nationalen Korporationen 
werden zu wollen. Das ist das natürliche Ziel, das sich dem 
Entwicklungsgang unserer Gegenwart bietet 1 ). 
9 Durkheim, loe. cit. p. I—XXXVII.
	        
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