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IV. Außenpolitische und innerrolitische Wandlungen in der Hanse 143 
baltischen Städte erst rund 100 Jahre später, als man in Riga und Reval die 
Bürger der westlichen Hansestädte nach den Grundsätzen des Fremden- 
rechts zu behandeln anfing. Aber als sehr ernst zu nehmende Symptome der 
inneren Umbildung sind sie in Lübeck zweifellos schon um die Zeit des 
Stralsunder Friedens erkannt worden. Für Riga insbesondere traten dazu 
schon damals deutlich die Versuche der Stadt hervor, die Herrschaft über 
den Dünaverkehr auf Kosten der westlichen Hansestädte an sich zu ziehen. 
Seit 1368 setzen die Verhandlungen Lübecks mit Riga über die Freiheit des 
Dünahandels ein; das Ende war auch hier, daß Riga sich zum wirtschaft- 
lichen Herrn der Düna aufschwang und die hansischen Genossen aus der 
Fahrt auf der Düna verdrängte”). 
Schon im 14. Jahrhundert selbst gewannen aber Sonderbestrebungen ganz 
ähnlicher Art eine ungemein schwere Gegenwartsbedeutung, weil sie un- 
mittelbar eingriffen in die Verflechtungen der hansischen Außenpolitik. Das 
geschah im Lande des Deutschen Ordens, namentlich in jener Stadt, die 
eben damals zur vollen Bedeutung erwachte: Danzig. 
Die jüngeren preußischen Städte waren bekanntlich entstanden im Zu- 
sammenhang mit der kolonisatorischen Tätigkeit des Deutschen Ordens. 
Aber schon diese Tätigkeit des Ordens stand in sehr engen Beziehungen zu 
dem älteren, von Lübeck ausgehenden Kolonisationswerk im Ostseegebiet. 
Gerade in kritischen Zeiten zeigte es sich deutlich, wie sehr der Orden auf 
Hilfe von Lübeck angewiesen war. Die von Lübeck aus ins Werk gesetzte 
planmäßige Anlage von Städten im Ostseegebiet ist auch im Ordensgebiet 
zur Geltung gekommen, obwohl der Orden selbst, namentlich im Innern des 
Landes, Städtegründer großen Stiles war. Elbing vor allem, das hat neuer- 
dings Semrau festgestellt, ist von Lübeck aus gegründet worden; ebenso 
Braunsberg und Frauenberg. Die Städte des Ordenslandes, wirtschaftlich 
durchaus selbständig, waren bis zum Stralsunder Frieden im wesentlichen 
orientiert nach der gesamthansischen Politik. Elbing war der führende See- 
ıandelsplatz. 
Das wurde allmählich anders, als Danzig 1309 zu den preußischen Städten 
hinzutrat; endgültig durch den Frieden von Kalisch vom Jahre 1343. Auch 
dann stand die Stadt noch zurück hinter Elbing. Aber gerade in den Jahren 
um den Stralsunder Frieden überholte Danzig das bis dahin führende 
Elbing. 
Die bisher häufig vertretene Ansicht, daß ein Weichseldurchbruch des 
Jahres 1371 Elbing seine alte Lebensader, den Hauptarm der Weichsel, 
entzogen und Danzig zugeführt habe, ist als quellenmäßig unzureichend 
begründet erwiesen und in dieser Form jedenfalls nicht mehr aufrecht- 
zuerhalten?). Wohl aber möchte ich annehmen, daß schon vorher im immer 
unruhigen Deltagebiet Verschiebungen, vielleicht allmählicher Art, erfolgt 
sind, die zugunsten Danzigs, zu ungunsten Elbings sich ausgewirkt haben.
	        
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