Full text : Die Arbeiterfrage

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ohne  aufzuhalten,  ihren  regelmäßigen  Gang  geht.  Die  Maschine
ist  ganz  aus  Stahl,  nur  Stahl,  hat  weder  Herz  noch  Nerven,  kennt
keine  Müdigkeit,  keine  Angst,  keinen  Schmerz,  keine  Wut.  Steht
aufrecht  und  kann  ewig  aufrecht  stehen  und  arbeiten.  Dieses  verdammte ­
  Stahlgeschöpf,  es  muß  siegen  in  einem  Kampf,  der  kein
Kampf  ist.  Herausreißen  möchte  ich  das  Stahlherz,  das  so  unbarmherzig ­
  und  leidenschaftslos  schlägt.  Die  Maschine  kann
erst  in  Bewegung  gesetzt  werden,  wenn  der  Weber  sie  einschützt;
dadurch,  daß  er  mit  der  Hand  an  die  Einschußstange  faßt,  stellt
er  erst  den  nötigen  Kontakt  her,  der  den  Webstuhl  in  Bewegung
setzt.  Man  könnte  den  Weber  fast  die  Seele  der  Maschine  nennen,
wenn  diese  selbst  eine  Seele  hätte,  und  um  die  Arbeitsfreude  voll
zu  machen,  kommt  auch  der  Meister  öfters  und  sagt:  „Hören  Sie
mal,  der  Platz,  auf  dem  Ihr  Stuhl  steht,  muß  mehr  einbringen.
Wenn  Sie  keine  besseren  Leistungen  erzielen,  werden  Sie  entlassen.“ ­
  Dann  arbeitet  man  wie  ein  Verzweifelnder.  Nicht  rechts
noch  links  wird  geschaut,  während  der  Arbeitszeit  geht  es  nicht
mehr  austreten.  Die  natürlichsten  Bedürfnisse  werden  zurückgedrängt.“ ­

Die  menschliche  Arbeitskraft  ist  gewiß  zu  verschiedenen
Zeiten  und  an  den  verschiedenen  Orten  etwas  überaus  Verschiedenes, ­
  die  des  modernen  Arbeiters  z.  B.  erinnert  nach  gewissen
Seiten  kaum  noch  an  die  des  Fronbauern  des  18.  Jahrhunderts
oder  die  des  Hörigen  des  Mittelalters,  sie  ist  ganz  ein  Erzeugnis
der  jüngsten  Vergangenheit.  Aber  ist  die  Menschenkraft  jemals
der  einer  Maschine  gleich,  mag  diese  auch  noch  so  ingeniös  arbeiten? ­
  Die  Maschine  ist  nicht  lebendig.  Die  Maschine  schafft
nicht  an  sich  Kraft,  sie  entbindet  sie  nur,  verwandelt  sie  in  andere
Form,  überträgt  sie,  konzentriert  sie,  zeitlich  und  örtlich.  Darum
ist  sie  sicher,  präzis,  gleichmäßig.  Aber  eben  das  zeigt,  daß  sie
keine  Seele  hat,  nicht  einmal  eine  Seele  im  Sinne  der  untersten
tierischen  Lebewesen  oder  der  Pflanzen,  auf  die  wir  den  Begriff
der  Seele  oder  wenigstens  des  Organismus  noch  anwenden,  geschweige ­
  denn  gar  im  Sinne  des  Menschen,  und  sei  er  der  niedrigste ­
  Australneger  oder  Papua.  Sie  kann  keine  wechselnden
Umstände  bewältigen,  sie  kann  sich  nicht  an  neue  Bedingungen
anpassen,  sie  vererbt  nichts  und  erzeugt  nichts,  sie  ist  noch  fern
jedem,  auch  dem  gebrechl'chsten  Retorten-Homunculus,  sie  ist
und  bleibt  ihrer  Grundlage  nach  Produkt  und  nicht  Produktor.
            
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