Ermüdungssymptome bedeutend steigern. Die Tätigkeit unter
Tage, der Mangel an äußeren Eindrücken ruft Depressionen hervor,
die in vielfacher Form geschildert wurden. Ein Pferdetreiber
im Bergwerk arbeitet seit zehn Jahren mit einem Pferde
zusammen, „Viktor“ benannt. Er schreibt: „Wenn ich die
Augen geschlossen halbwegs einschlafe, glaube ich immer
nachts, ich sei wieder in der Grube, und viele Male rufe ich
dann, wie meine Frau versichert, ,Hoi, Viktor. Jö!‘ Ich mache
also zwei Schichten jeden Tag und erwache gewöhnlich in
Schweiß gebadet.“
Die Ermüdungserscheinungen bei der Gruppe der Bergarbeiter
sind hauptsächlich die Folgen von: a) Kohlenlunge
(anthracosis pulmonum), b) rheumatische Erkrankungen, c) Blutarmut
(anaemia montana), d) Wurmkrankheit (anchylostomiasis),
e) Augenzittern oder Rollauge, f) Caissonkrankheit (durch Arbeiten
in komprimierter Luft). Bei den Metallarbeitern:
a) Giftwirkungen der Metalle, b) das Gießfieber, c) das anhaltende
Stehen, wodurch sich Störungen im Rücklauf des venösen
Blutes an den Unterextremitäten entwickeln, Krampfadern
mit ihren Folgen usw., c) Staubentwicklung im besonderen.
Bei den Textilarbeitern war die Bedienung der neuen Webstühle
von einschneidender Bedeutung. Sicher ist die Bedienung
einer solchen von 92 Schuß anstrengender als eine solche
von 48—55 Schuß. Walken, Spulen und Naßrauhen der Wollstoffe
geschieht in feuchten Räumen. Außer rheumatischen Erscheinungen
infolge der Nässe und Krampfadern infolge stehender
Beschäftigung zeigen sich bisweilen hartnäckige Hautausschläge.
In den Färbereien sind es die Farbstoffe, die zu
Reizungen der Schleimhäute Anlaß geben.
Es war notwendig, wenigstens auf die charakteristischen;
Berufskrankheiten der untersuchten drei Arbeiterkategorien
hinzuweisen, weil sie den Boden heftiger Gemütserschütterungen
bilden helfen. Liest doch der Arbeiter in seinem
Fachblatt die Moralitätsziffern und kennt von den Krankenkassen
her die Morbitätserscheinungen. Was natürlicher,
als daß er immer argwöhnischer sein Gesamtbefinden
beobachtet und geneigt ist, wissentlich oder unwissentlich
irgendwelchen Beschwerden, die er sonst unbeobachtet gelassen,
übergroße Bedeutung beizumessen. Symptome, die sich all-80