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Die Verteilung der Produktivkräfte ändert sich mit der Ent
stehung des Gewerbes: die notwendigen Produkte werden jetzt
sowohl in den ländlichen, als auch in den Handwerkerwirt
schaften hergestellt. Dennoch bleibt das Verhältnis, in dem für
die Produktion einzelner Güter Arbeit aufgewendet wird, das
selbe, wie in der isolierten Wirtschaft. Wenn in einer isolierten
Wirtschaft jeder nur ein Paar Stiefel brauchte, so wird er auch
jetzt nicht zwei Paar gleichzeitig tragen können. Gewiß
steigt der Konsum mit der Entwicklung der Produktion; dennoch
bleibt die Abhängigkeit der Produktion von dem Umfang des
Konsums bestehen.
Dabei hängt der Umfang der Produktion in einer Wirtschaft
von der Größe der Produktion in den anderen Wirtschaften ab.
Der Schuhmacher wird für längere Zeit ohne Arbeit bleiben,
wenn der Bedarf an Schuhwerken schon gedeckt ist. Da er nun
andere Waren nur gegen Schuhwrek erhalten kann, so muß er
sich Besteller in der Umgebung oder fertige Ware auf entfernteren
Märkten zu verkaufen suchen.
Im Kreise Chwalynsk*) arbeiten die Walker einige Monate
bei sich zu Hause für Besteller aus der Nachbarschaft. Wenn
die Nachfrage der Nachbarn gedeckt ist, gehen die Walker nach
den anderen Dörfern und Kreisen und arbeiten dort für andere
Auftraggeber. Da die Walker in einem Rayon wohnen, so arbeiten
sie infolge der Konkurrenz untereinander im Heimatdorfe billiger
als auswärts, obgleich sie auch dort nur auf direkte Bestellung
arbeiten.
Wenn sich das Gewerbe von der Landwirtschaft losgelöst hat,
ist die Produktionsorganisation nicht mehr in einzelnen, sondern
in sämtlichen Wirtschaften gleichzeitig zu betrachten. Das Ge
werbe verbindet die einzelnen Wirtschaften eng untereinander.
Die Entwicklung der Produktivkräfte äußert sich nun in der
Form der ökonomischen Entwicklung des ganzen Komplexes
der Wirtschaften, die durch den Tauschverkehr untereinander
verbunden sind.
*) Untersuchungen über die Kustari im Gouvernement Saratow,
2. Lief. Diese Materialien sind noch nicht veröffentlicht.