Zwanzigstes Kapitel.
Die Verteilung der Produktivkräfte unter
einzelnen Ländern.
I.
Bei der Analyse der Wirtschaftssysteme sahen wir, von welch
großer Bedeutung die Tatsache des Sinkens der Produktivität bei
sukzessiven Arbeitsaufwänden ist. Wir haben auch darauf hingewiesen,
daß die dadurch hervorgerufene Zerstreuung der Bevölkerung
auch während der kapitalistischen Periode andauert,
obgleich zu dieser Zeit, ebenso wie während der Leibeigenschaft,
der Klassenkampf und die Besitzergreifung des Bodens durch die
privilegierten Klassen die bedeutendste Rolle zu spielen beginnen.
Zur Zeit des entwickelten Kapitalismus tritt indes noch eine
Erscheinung zutage. Die dicht bevölkerten Gegenden beginnen
Getreide aus anderen, dünn bevölkerten *) Ländern einzuführen.
Dank dem ausgedehnten Warenaustausch unter den einzelnen
Ländern findet auch unter ihnen eine Neuverteilung der Produktivkräfte
statt. In den dichtbevölkerten Ländern nimmt die ländliche
Bevölkerung relativ ab; die dünn bevölkerten versorgen
auch die Industrieländer mit Getreide. So erweist sich diese Verteilung
der Produktivkräfte zwischen den dünn und den dicht bevölkerten
Ländern als eine der Entwicklungsbedingungen der
Weltwirtschaft, weil sie den Verkehr zwischen ihnen kolossal
fördert. Andererseits führt diese Entwicklung zur Zerstreuung der
*) Bodenprodukte werden auch aus einer so dicht bevölkerten
Gegend wie Indien ausgeführt, aber keineswegs infolge der höheren
Arbeitsproduktivität in Indien, sondern infolge der Ausbeutung dieses
Landes durch England.