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Die russischen Annalen charakterisieren die Lebensweise der
altenSlavenwie folgt: „Die Dredjanen lebten in Wäldern wie Tiere
... aßen alles Unreine..Dasselbe wird auch über die Lebensweise
einiger anderer slavischer Stämme erzählt. Unter „unreiner
Speise“ wird hier verstanden: „ein Aas, Hamster und anderes
Unreine“. So blieb bei den Slaven, obzwar sie Ackerbau und
Viehzucht schon gekannt haben, die Jagd die Hauptbeschäftigung.
Dasselbe wird auch von den Germanen mitgeteilt. Auch hier
herrschten bei einer dünnen Bevölkerung die Viehzucht und Jagd
nicht deshalb vor, weil die Germanen den Ackerbau noch nicht
gekannt haben, sondern weil jene Wirtschaftssysteme unter den
gegebenen Verhältnissen vorteilhafter waren als sogar die extensive
Landwirtschaft.
Einige Kulturhistoriker (Hahn, Meitzen, Rachfall), die das
Leben der heutigen Nomaden Völker beobachtet haben, kommen
zu dem Schluß, daß die Hirtenstämme vegetabilische Nahrungsgegenstände
nur durch Austausch erhalten und daher keine selbständige
Kulturstufe darstellen.*) Selbstverständlich ist diese
Schlußfolgerung unzutreffend. Im Norden von Sibirien gebrauchen
die Hirtenstämme auch noch jetzt, wenn auch sehr
selten, vegetabilische Nahrung. Auch die Hottentotten, die zwar
mit den Europäern in Verbindung kommen, doch sich des Austausches
nicht bedienen, begnügen sich mit den wilden
Früchten und Wurzeln. Solcher Zeugnisse haben
wir eine ganze Menge, auch über die heutigen Hirtenvölker.
Selbstredend gab es vor zwei- bis dreitausend Jahren viel mehr
solcher Hirtenvölker, die den Austausch mit Ackerbau treibenden
Völkern gar nicht kannten.
HL
Die Änderung des Wirtschaftssystems kann gewöhnlich nur
allmählich vor sich gehen. Die Jäger- und Hirtenvölker betrachteten
zuerst den Ackerbau als eine nebensächliche Beschäftigung,
die den Frauen überlassen wurde.
*) Hahn, Die Haustiere in ihrer Beziehung zur Wirtschaft der Menschen
(1896, S. 133), schreibt: „Der nomadisierende Hirt stellt eine scharf
ausgesprochene, aber keine wirtschaftlich selbständige Kulturstufe dar.“