76
IL
Der Mangel an freiem Boden zwingt den Jäger oder den
Hirten, zum Ackerbau überzugehen. So wird es für die Jägeroder
Hirtenbevölkerung schon zu dieser Zeit klar, daß ihre
Arbeitsproduktivität von dem Umfang ihres Landes abhängt, oder
daß die Arbeit umso produktiver ist, je umfangreicher
die der Bevölkerung zur Verfügung stehende Fläche und
folglich je extensiver der Betrieb ist. Dank diesem
Umstande strebt die Bevölkerung schon auf den ersten Stufen
ihrer Entwicklung danach, möglichst viel Land für sich zu monopolisieren
und allein auszubeuten. Daraus ergibt sich auch eine
gewisse Art des „Patriotismus“, der sich in dem Bestreben
äußert. Fremde von der Nutzung des Territoriums auszuschließen.
Die Keime dieses „Patriotismus“ finden sich auch schon
bei gewissen Tieren, die ebenfalls Tiere anderer Arten auf ihrem
Gebiete nicht dulden wollen.
Wenn es mit der Zunahme der Bevölkerung notwendig wird,
möglichst viele Produkte aus demselben Boden zu erhalten, gewinnt
auch die Besitzergreifung von großen Landstrecken eine
immer größere Bedeutung. Solange der Grund und Boden der
Gemeinde gehört, ist für jedes Gemeindemitglied klar, daß der
Boden nur eine Bedingung für die menschliche Tätigkeit bildet,
daß alle notwendigen Produkte nur durch die Arbeit erhalten
werden. Geht aber der Grund und Boden in den Privatbesitz
einzelner über, die für seine Benutzung durch andere einen Tribut
erhalten, so wird es diesen Grundeigentümern scheinen, als sei es
der Boden, der die Produkte erzeugt und sie ihnen liefert, da sie
diese Produkte aus ihrem Besitze ohne jede Mühe erhalten. In
der Tat verdankt der Grundeigentümer seinen Teil an den Bodenerzeugnissen
nicht seiner Arbeit, sondern der Tatsache seines
Besitzes, sowie dem Umstande, daß die zusätzliche Arbeit
weniger produktiv ist. Weil die zusätzliche Produktion mehr
Arbeit kostet, strebt die Bevölkerung danach, eine immer größere
Bodenfläche auszunutzen, und zahlt dem Grundbesitzer dafür
einen Teil ihrer Produkte. Wären aber die weiteren Arbeitsaufwände
nicht weniger produktiv als die ersten, so würde die Be-