TEIL II.
Korn-Giroverkehr.
Abschnitt 13.
Wirtschaftliche Bedeutung des Getreide-Girowesens.
Während der Großgrundbesitzer zur Lagerung seiner Ernte
die nötigen Räumlichkeiten für gewöhnlich zur Verfügung hat,
fällt es dem kleinen Landmanne schon schwerer, sein Korn gut
und gesichert unterzubringen, nachdem er es auf der Dorftenne
gedroschen hat. Daher ist das Korngiro gerade für die große Zahl
der kleineren Landleute von Bedeutung: sie haben nur nötig, das
für ihren eigenen nächsten Lebensunterhalt benötigte Korn in
ihrem Hause aufzuspeichern (für so kleine Mengen ist der erfor
derliche Raum daselbst immer vorhanden), dagegen führen sie alles
übrige Korn, das für die ganze Zeit bis zur nächsten Ernte zur
Bestreitung der Steuern und zur Bezahlung von Verbindlichkeiten
aller Art sowie zum Verkaufe bestimmt ist, an den Staatsspeicher
ab, und zwar unmittelbar von der Dorftenne weg. Nur der kleinste
Landmann, der von der Hand in den Mund lebt, braucht den
Staatsspeicher nicht. Im Staatsspeicher übernimmt der Staat die
Verantwortung für gesicherte Lagerung; der Landmann ist daher
gegen Verluste durch Feuersbrunst und Diebstahl sowie durch
Verderben der Ware gesichert. So spart der ägyptische Landmann
nicht nur eigene Scheunen, er ist auch aller Sorge für seinen
Kombesitz überhoben. Der Landmann bei uns muß Scheunen
bauen und unterhalten, er muß auch seine Erntevorräte gegen
Feuer und Diebstahl bei einer Versicherungsgesellschaft besonders
versichern; der ägyptische Landmann hatte zwar statt dessen eine
Lagergebühr und Nebenkosten an den Staatsspeichern zu zahlen
(vgl. Abschn. 25 und 26), aber selbst wenn diese Gebühren die
Kosten für die heutige Versicherung und für die Herstellung und
Unterhaltung der Scheune aufgewogen haben sollten, was kaum anzu-