Full text : Bremens Warenhandel und seine Stellung in der Weltwirtschaft

heraus  geborene  Gesellschaft  zum  Zwecke  der  Hebung  der  bremischen ­
  Ausfuhr  deutscher  Erzeugnisse  nach  den  Vereinigten
Staaten  zu  gründen,  dürfte  unangebracht  sein,  obschon  sich
Bremen  sehr  wohl  einen  größeren  Anteil  daran  sichern  könnte.
Mehr  als  anderswo  bestehen  gerade  zwischen  den  deutschen  Fabrikanten ­
  und  dem  amerikanischen  Käufer  direkte  Beziehungen,
die  nur  des  Speditionshandels  als  Vermittlers  bedürfen.  Was
Bremen  aber  tun  könnte,  wäre,  daß  seine  Großkaufleute,  und  zwar
nicht  nur  die  Import-Exportfirmen,  sondern  auch  die  Baumwollfirmen,
  drüben  Kommissionshäuser  errichteten.  Dies  ist  bislang
nur  in  ganz  vereinzelten  Fällen  geschehen.  Eventuell  könnten
sich  mehrere  Firmen  zusammentun  und  in  verschiedenen  Seeund
  Binnenstädten  der  Union  auf  gemeinschaftliche  Rechnung
Ein-  und  Verkaufskontore,  die  zweckmäßig  mit  Musterlägern  zu
verbinden  wären,  eröffnen.
Anders  liegen  die  Verhältnisse  in  Canada.  Ein  nennenswerter ­
  Verkehr  zwischen  der  Dominion  und  dem  Deutschen  Reiche
besteht  noch  nicht.  Es  scheint  sich  aber  eine  rasche  Änderung
vorzubereiten.  Da  ist  es  in  erster  Linie  Sache  des  Norddeutschen
Lloyd,  dafür  Sorge  zu  tragen,  daß  ein  entsprechender  Teil  des
Warenstromes  nach  Bremen  gelenkt  wird  und  diese  Stadt  nicht
wieder,  wie  schon  so  oft,  das  Nachsehen  hat.  Bei  tatkräftiger
Beihilfe  des  Lloyd  dürfte  Canada  für  Ein-  wie  für  Ausfuhrfirmen,
kraft  seiner  schnell  zunehmenden  landwirtschaftlichen  Produktion
und  seiner  entsprechend  steigenden  Kaufkraft  für  Industrieerzeugnisse, ­
  ein  sehr  geeignetes  Feld  sein.  Bislang  sah  man  das  Land,
verführt  durch  die  Schilderungen  von  der  Unwirtlichkeit  seiner  nördlichen ­
  Teile,  etwas  über  die  Achsel  an.  Daß  auch  Canada  Anstrengungen ­
  macht,  engere  Handelsbeziehungen  mit  Deutschland
zu  pflegen,  geht  aus  der  im  laufenden  Jahre  erfolgten  Absendung
eines  besonderen  Handelssachverständigen  nach  den  größeren
deutschen  Städten  hervor.
Südamerika.  Eine  gewisse  instinktive  Furcht,  aus  dem
Geschäft  mit  Südamerika  doch  über  kurz  oder  lang  herausgedrängt
zu  werden,  scheint  auf  Bremen  zu  lasten.  —  Wohl  ist  es  Tatsache,
daß  die  Union  erhöhten  nicht  nur  politischen,  sondern  auch
kommerziellen  Einfluß  auf  die  Südhälfte  des  Kontinents  zu  erlangen
sucht,  und  mit  Recht  weist  die  Handelskammer  (Jahresbericht  für
1891,  S.  9)  darauf  hin:  »Diese  Bemühungen  (sc.  der  Union,  die
europäische  Einfuhr  zu  erschweren)  erstrecken  sich  nicht  nur  auf
das  Gebiet  der  Vereinigten  Staaten  selbst,  sondern  umfassen  ganz
            
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