Full text : Bremens Warenhandel und seine Stellung in der Weltwirtschaft

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Amerika,  und  ein  weiterer  Erfolg  derselben  sind  die  von  der
amerikanischen  Union  mit  Brasilien  und  Spanisch-Westindien  abgeschlossenen ­
  Gegenseitigkeitsverträge,  in  denen  gewissen  Erzeugnissen ­
  der  nordamerikanischen  Bodenbewirtschaftung  und  Industrie
zollfreie  Einfuhr  oder  Einfuhr  zu  um  25°/ 0  ermäßigten  Zollsätzen
gewährt  wird.  Auf  diesem  Wege  soll  die  Zusammenschließung
der  amerikanischen  Staaten  zu  einem  wirtschaftlichen  Ganzen  und
ihre  Unabhängigkeit  von  der  Industrie  und  dem  Gewerbe  Europas
erreicht  werden«.  Aber  wegen  dieses  in  Zukunft  vielleicht  einmal
eintretenden  Ereignisses  die  Flinte  ins  Korn  werfen  zu  wollen
wäre  verfehlt.  Richten  wir  uns  nach  Hamburg!
Allerdings  wird  kraft  der  in  der  geographischen  Lage  und
in  den  ethnographischen  Bedingungen  begründet  liegenden  nordsüdlichen ­
  Verkehrstendenz  Südamerika  unzweifelhaft  in  eine  gewisse ­
  Abhängigkeit  von  Nordamerika  geraten.  Aber  diese  wird
nicht  so  stark  werden  wie  man  leicht  zu  fürchten  geneigt  ist.
Denn  Südamerikas  Wirtschaftsleben  bewegt  sich  in  aufsteigender
Linie,  und  seine  Staaten  sind  überaus  freiheitliebend  und  stehen
den  Suprematiegebühren  Uncle  Sams  entschieden  ablehnend
gegenüber.  Wenn  dieser  auch  Vorteile  für  seinen  Handel  durchdrückt, ­
  so  sind  sie  doch  nicht  bedeutend  und  umfassend.  Auch
werden  ihm  solche  Abmachungen  mit  dem  wichtigsten  Staate
Südamerikas,  mit  dem  kraftvollen  Argentinien,  schwerer  fallen
als  mit  dem  durch  tropische  Sonne  und  üppige  Fruchtbarkeit
des  Bodens  etwas  verweichlichten,  energischer  Kräfteanspannung
weniger  fähigen  Brasilien.
Zu  diesem  politischen  Gegensatz  besonders  in  der  Argentinischen ­
  Republik  kommt  ein  sehr  realer  für  Deutschland  in  die
Wage  fallender  Umstand:  die  südamerikanischen  Staaten  müssen
ihre  Naturprodukte  loswerden.  Nordamerika  aber,  das  selbst  Getreide ­
  in  großen  Mengen  ausführt,  kann  das  Getreide  Argentiniens,
auf  dessen  Ausfuhr  dieses  Land  angewiesen  ist,  nicht  aufnehmen.
Auch  die  andern  Landesprodukte  Südamerikas,  wie  Wolle,  Kaffee,
Kakao,  Gummi,  müssen  größtenteils  ihren  Absatz  in  Europa
suchen.  Und  mit  dem  Erlös  aus  allen  diesen  Waren  wird  dann
die  Fabrikateneinfuhr  bezahlt.  Das  ist  ein  gleichartiger,  überall
erkennbarer  Zug;  alle  weniger  kultivierten  tropischen  und  subtropischen ­
  Länder  führen  Massengüter  ihrer  Natur-  und  Urproduktion ­
  aus  und  tauschen  dafür  in  dem  betreffenden  Einfuhrlande ­
  die  von  ihnen  benötigten  Ganz-  und  Halbfabrikate  ein.  Daß
dieser  Satz  auch  für  Südamerika  Geltung  hat,  sehen  wir  bei  Hamburg.
            
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